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Mittwoch, 22. Dezember 2010
Dienstag, 7. Dezember 2010
Vanuatu- von Vulkanen und Kannibalen!
5 ½ Std. Flug haben uns in der Nacht von Perth nach Sydney gebracht und weitere 3 ½ Std. Flug nach Melanesien- Vanuatu! Ein souveräner Inselstaat im Südpazifik der bis 1980 Neue Hebriden genannt wurde. Zur Begrüßung spielte am Flughafen eine „String-Band“ mit großen Blütenketten um den Hals und wilden Locken auf dem Kopf. „ Welkam“ steht in großen Buchstaben über dem Zoll- kein Schreibfehler- eben „Bislama“ -Pidgin Englisch!
Unser kleines Hotel liegt direkt am Strand samt Hängematte zwischen Palmen. Und die Stadt- Port Vila- ist mit dem Minibus in 10 Minuten zu erreichen. Der Markt quillt über mit Maniok, Yams und Kawa Wurzeln, Bananen, Papaya und bunten Blumen. Die Frauen in langen, bunt bedruckten Kleidern, bieten lachend und schwatzend ihre Ware an. Feilschen und Handeln gibt es in der Ni-Van Kultur nicht- alles hat einen fixen Preis.
An einer Ecke des Marktes entdecken wir die ersten Frauen die Laplap verkaufen- das Ur- Pazifik- Gericht: Eine Paste aus diversem Wurzelgemüse, meist Maniok oder Süßkartoffel enthaltend, wird dick auf Bananenblättern aufgetragen, in diese eingeschlagen und anschließend im Erdofen durch heisse Steine gegart.OK- der 1. Versuch war nicht allzu überzeugend und die Toilette in der Nacht unser größter Freund ;-(.
Am nächsten Tag hieß es erst einmal, unsere Flugtickets zu den „Outer Islands“ zu organisieren. Definitiv wollten wir nach Tanna, um den aktiven Vulkan Mt. Yasur zu besteigen und dann noch nach Ambrym und Malekula: Vulkane und Kannibalen, das war unser Plan. Die Arbeitsmoral der Air Vanuatu Agentur hatte uns einige Nerven und Zeit gekostet, aber letzten Endes standen wir tags darauf mit unseren Tickets in der Tasche und 10 kg Gepäck pro Person am Domestic Flughafen. Mit Verspätung und mulmigem Gefühl stiegen wir zusammen mit 15 anderen Passagieren in die Propellermaschine ein und ohne weitere Komplikationen auf Tanna deutlich erleichtert auch wieder aus. Die einzigen „Weißen“ mit an Bord waren ein kanadisches Arzt-Ehepaar samt ihrer 3 Kinder, die für 8 Monate das Insel-Krankenhaus auf Tanna betreuen. Tanna, eine der größeren Inseln des Archipels und nebst Efate ( der Hauptinsel) und Santo, die eigentlich touristisch erschlossenste - dachten wir zumindest. Die Kanadier boten uns einen Lift in die „Stadt“ an, den wir dankend annahmen- auf der Ladefläche eines 4x4 Trucks, dem Standarttransportmittel. Bereits die Hauptstrasse vom Flughafen nach Lenakel, der Hauptstadt, war nicht asphaltiert und der Staub hatte sich in Sekunden in Haaren und Kleidern festgesetzt. Sie empfahlen uns ein kleines Hotel direkt am Strand, wo wir am Abend mit leckerem Fischcurry bekocht wurden. Tropen und Subtropen haben so ihre ganz eigene Zimmerdynamik. Sprich: Man mietet ein Doppelzimmer und unabhängig von der Preiskategorie bekommt man die mitbewohnende kleine Zimmerratte für umme dazu, nebst Geckos und Mosquitos, die leider in Vanuatu Malaria verseucht sind. Am nächsten Tag wanderten wir nach Lenakel, durch Dschungelpfade und Palmenhaine und unter riesigen Banyanbäumen entlang. Da Sonntag war, war die „Stadt“ verwaist und wir haben das kleine Krankenhaus der Kanadier besucht- samt Stippvisite der Patienten -quasi als 1. Arbeitsversuch zur Wiedereingliederung ;-))))) in 12 Wochen.
Montag ist Markttag- und so kommen auch viele Einheimische der anderen Inselseite zu Besuch. In einem großen Tankschiff im Hafen gibt es sozusagen einen Drive In Supermarkt, normale Geschäfte gibt es nicht. Selbst Trinkwasser wurde bereits in Lenakel zum Problem und wir waren mehr als dankbar über unseren Steripen, den wir in Kathmandu gekauft hatten und erstmals in Tajikistan bei unserem Australier im Einsatz sahen. Sterilisiertes Trinkwasser in 90 Sek. dank UV Licht! Vom Marktplatz aus konnten wir uns eine Fahrt auf die andere Seite der Insel zu besagtem Yasur Vulkan organisieren. 2 ½ Std. waren wir mit dem Truck durch tiefsten Dschungel und unwegsamen Pfaden unterwegs. An einer Stelle war ein Truck liegen geblieben- mehr als unterschenkeltief standen alle im Schlamm,, beim Versuch den Truck zu bergen. Yasur ist einer der wenigen leicht zugänglichen aktiven Vulkane der Welt. Man kann in der Tat bis an den Kraterrand, läßt die Beine in die Kaldera baumeln und wartet, daß alle 3-4 Minuten ein Lavafeuerwerk den Himmel erhellt. Man sollte sich keine Gedanken darüber machen, wenn ab und zu die Erde bebt oder man durch eine heftigere Eruption dezent per Luftdruck nach hinten gestoßen wird ;-)) Sicherheitsmaßnahmen- wie wir auch später noch merken sollten- gibt es in diesem Land nicht! Die Nacht verbrachten wir einmal mehr mit einer kleinen Ratte im Bungalow, die sich doch sehr über unsere Kekse als Mitbringsel gefreut hat. Nächtliche Toilettengänge gehören auch hier mit zu unseren beliebtesten Erinnerungen, wo man im Schein der Taschenlampe nach allerlei Kriech- und Spinnengetiers Ausschau hält. Die nächsten 2 Tage verbrachten wir in Port Resolution, im sogenannten Yachtclub. Unsere Sorge, ob unsere Kleidung ausreichend kultiviert sei, war ein wenig unbegründet- grins. Wieder einmal war ein netter Bambusbungalow mit Outdoor Waschbecken das „Beste“ Hotel vor Ort und wir zunächst die einzigen Touristen. Ein Besuch der Sharksbay mit seinen gelben Riffhaien und ein Handschlag des „Chiefs“- dem Häuptling- haben unseren Tannabesuch nach kurzem unschönen Zwischenspiel ( auch auf dieser Seite der Welt verdirbt Geld und Gier den Charakter) wieder aufgeheitert und wir sind nach abenteuerlicher Rückfahrt über die Insel zurück nach Efate geflogen.
2 Tage Erholung in der Zivilisation standen auf dem Programm und ein wenig mulmig war uns schon bei dem Gedanken, daß Tanna ja eigentlich touristisch war und uneigentlich wir diese 5 Tage nicht wirklich „touristisch“ verbracht hatten. Was sollte uns da erst auf Ambrym und Malekula erwarten? Wirklich ausführlich war unser Reiseführer bezüglich der Vulkanbesteigung auch nicht gerade. Bei 4 verschiedenen Routen wurde unsere als “moderate hike“ beschrieben und mit „you should be fit“ kommentiert. Die Recherche im Internet ergab nur, daß es wohl anstrengend sei, hierbei wurde jedoch immer dieselbe Route beschrieben und leider eben nicht die unsrige.Oder die Tour wurde als Expedition für teuer Geld vermarktet, was uns initial ehrlich gesagt wieder ein wenig schmunzeln ließ. Wir haben in diesem Jahr sooft Touristen getroffen die laut von ihren Expeditionen berichteten- vieles davon haben wir in Eigenregie ohne Expeditionsaufkleber bereits bereist oder erlebt- aber es ist eben immer eine Frage der Darstellung und Selbstwahrnehmung. Nichtsdestotrotz, dachten wir auch dieses Mal, ist es eben nur eine Frage der Betitulierung! Vorletzten Samstag ging dann also am Mittag unser Flug nach Ambrym-wieder eine 15 Mann- Propellermaschine. Im Landeanflug die beiden Vulkane Benbow und Marum leider im Nebel und unter uns eine Graslandebahn, über die wir bei der Landung mehr geschlittert als gerollt sind. Die Vorzeichen waren von der 1. Minute an einfach auf Abenteur pur eingestellt und wir ehrlich das 1. Mal auf dieser Reise skeptisch ob dieses Projekt so wirklich das Wahre ist.
Daß man die Insel nicht von Nord nach Süd, bzw. von West nach Ost auf einer „Strasse“ durchqueren kann, hatten wir zwar realisiert, uns aber ehrlich gesagt keine weiteren Gedanken dazu gemacht. Fakt ist: Auf der ganzen Insel gibt es insgesamt nur 7 Trucks, keine Straßen, nur Pisten durch tiefsten Urwald, die mit vor dem Truck laufenden Männern und Macheten immer wieder frei geschlagen werden, keine gemauerten Häuser- nur Strohhütten, eine handvoll Luxushäuser mit betoniertem Fundament, kein Strom, außer einige wenige Familien mit Generatoren und seit ca. 15 Jahren westliche Bekleidung, davor gab es die traditionellen Grasröcke und Penisköcher. Nachdem ein einziger Rucksack nebst Körben, Hühnern und Gemüse aus dem Flieger ausgeladen waren, haben wir noch kurz zum Abschied gewunken- in 9 Tagen sollten wir von hier weiter nach Malekula fliegen.
Auf der Rückfläche eines Trucks ging es samt unzähligen Taschen, Menschen und Hühnern Richtung Baiap, einem Dorf am Meer. Der Truck kam nicht weit, als er das 1. Mal im Morast und dem tiefen Wurzelwerk steckenblieb. Eine kleine Armada an jungen Männern, mit Macheten und Schaufeln bestückt, sprang vom Truck und machte sich sofort daran, das Fahrzeug wieder in eine fahrtüchtige Position zu bringen. Knapp 3 Stunden später, um unzählige blaue Flecken an allen Körperteilen bereichert, kamen wir in dem kleinen Dorf am Meer an. Das Guesthouse gäbe es nicht mehr- erzählt man uns dann- wir könnten aber im Gemeindehaus übernachten und würden von den Frauen des Dorfes mit Essen versorgt werden. Prima- dachten wir und arrangierten mit dem Truckfahrer, daß er uns 2 Tage später hier wieder abholen sollte, um ins Inselinnere zu fahren, dem Ausgangspunkt für unsere Vulkanbesteigung. Zwischenzeitlich hatten die Dorffrauen das Gemeidehaus frisch gekehrt und Strohmatten ausgelegt. Gott sei dank hatten wir unser eigenes Moskitonetz dabei! Am Abend gab es frischen Laplap, der diesmal richtig lecker war und Regenwasser, das in einer großen Zisterne in der Dorfmitte gesammelt wurde. Wie oft wir in den letzten Tagen um unseren Steripen dankbar waren können wir gar nicht sagen! „Geduscht“ wurde im Meer, und die Toilette war mit Holzsitzbalken ausgestattet- zart besaitete hätten da ihr Leid gehabt :-). Am Abend füllte sich der Himmel mit prähistorisch aussehenden Miniflugsauriern: Hunderte von Flughunden kreischten durch die Luft und suchten sich den besten Mangobaum zum Plündern aus. In dem kleinen Ort verging die Zeit schnell und 2 Tage später stand pünklich der Truck vor unserer Hütte um uns nach Meltungen zu bringen. Dort gab es Luxus pur: Eine Regenwasserdusche! Oh wie haben wir uns gefreut! Am nächsten Tag sollte es, sofern es nicht in Strömen regnete, zu den Vulkanen hinauf gehen, über Nacht wollten wir in den „Ashplains“ campen und am nächsten Morgen die 20 km zurück laufen. Unser eigenes Zelt hatten wir dabei, feste Wanderschuhe eh, leere Wasserflaschen hatten wir vorsorglich mitgenommen, da wir wußten, daß es dort oben keine Wasserquellen gibt, ebenso Essen. Somit waren wir bestens ausgerüstet. Nachdem wir 8 l Regenwasser auf unsere Flaschen verteilt hatten, entschieden wir uns (im nach hinein Gott sei dank) zum Guide zusätzlich noch einen Träger dazu zunehmen, sodaß unsere kleine „Expeditionsgruppe“ letzten Endes aus 4 „Teilnehmern“ bestand ;-).
Initial sollte uns der Truck zum Ende der „Strasse“ bringen. 4 zusätzliche Männern, alle mit Macheten bestückt, waren Begleittrupp, um die „Strasse“ vor unserer Nase überhaupt erst befahrbar zu machen- sprich: Wir IM Truck- die Männer VOR dem Truck, Schneisen in das undurchdringliche Dschungelgestrüpp schlagend. Die „Strasse“ war dann auch relativ schnell zu Ende- die Fahrt ging jedoch in einem ausgetrockneten Flußbett weiter. Wenn wir dachten, Geröllfelder und umgestürzte Bäume würden jeden Moment die Fahrt dann entgültig beenden, so hatten wir uns getäuscht. Immer wieder sprangen die 4 Männer von der Ladefläche des Trucks, um den Weg weiter entlang des Creeks zu bahnen. Nach 3 Stunden war dann jedoch endgültig Schluß. Am nächsten Tag wollte man uns um 13.00h wieder abholen und ab nun ging es zu Fuß langsam aber stetig bergauf, immer weiter den trockenen Flußlauf entlang.
Gott sei dank war es bewölkt und die Sonne konnte nicht mit ihrer ganzen Kraft auf uns niederbrennen. Der schwarze Lavaboden war auch ohne direkte Bestrahlung heiß genug. Nach 1 ½ Std. kam der 1. schweißtreibende Kletteranstieg, der uns nach einer ½ Stunde auf den Grat der Hauptkaldera bringen sollte. Stutzig wurden wir, als der Guide sagte, Mt. Marum könnte man noch gar nicht sehen. Statt dessen sahen wir Mt. Benbow und ein Meer aus tief zerklüfteter Landschaft mit scharfkantigen, sich aneinander reihenden Graten und steil abfallenden Schluchten. Wie sollten wir denn je dieses „ Meer“ durchdringen? Bei genauerem Hinsehen gab sich ein handbreiter Pfad auf einem Grat zu erkennen, der zunächst in die Tiefe und auf der anderen Seite wieder zur Spitze verlief. Einzelne trockene Äste waren alle km auf den jeweils höchsten Gratpunkten versenkt und markierten den Weg. Loses Geröll wechselte sich mit Lavaasche und verbackenem Gestein ab, wo unser Guide mit der Machete Trittlöcher einschlug, um wenigsten einen gewissen Halt zu bekommen- rechts und links ging es hunderte von Metern in die Schluchten hinab. In der Weite konnte man die Aschefelder erkennen- dort wollten wir hin- das Schlimmste war also überstanden- dachten wir. Eine weitere Stunde später kletterten wir auf allen Vieren zum Zigstenmal in eine Schlucht. Endlich kamen wir dem Aschefeld näher. Eine ½ Stunde bergab und wieder 1 Stunde bergauf- und dann? Befand sich eine massive Felswand in Form der Kaldera von Mt. Benbow vor uns und der Guide meint nur, da müssen wir jetzt hoch, als wir schon lange dachten, jetzt müßte aber langsam der Zeltplatz kommen! Irgendwie sah das von unten alles noch gar nicht so schlimm aus- vielleicht hatten wir aber zu diesem Zeitpunkt einfach auch alles nur noch bedingt realisiert. Fakt war: Es folgte ein 1 stündiger, zum Teil fast vertikaler Kletteraufstieg, ohne Sicherung, ohne alles. Freier Fall nach rechts, nach links und hinten, hunderte von Metern tief. Im Nachhinein nicht mehr vorstellbar, daß da das Gehirn nicht einfach „Stop“ gefunkt hat und wir umgekehrt sind. Aber wir wollten ja die Lavaseen sehen! Auf der Spitze der Kaldera angekommen, wurden wir erstmal mit einer mehr als atemberaubenden Aussicht belohnt. Atemberaubend doppeldeutig: Schwefeldämpfe trieben uns Tränen in die Augen und Husten in den Hals! Ungläubig starrten wir den Bergabhang, den wir da gerade ungesichert heraufgeklettert waren hinab. Andreas dachte zu diesem Zeitpunkt immer noch, unsere 2 Jungs hätten sich einen Scherz erlaubt, als sie sagten, am Folgetag müssten wir den gleichen Weg wieder zurück gehen. Es sollte kein Scherz sein! Auf dem schmalen Kraterrand wanderten wir dann auf die gegenüberliegende Seite, wo wir 40 min. später den Abstieg begingen. Das Lavageröll war so lose und schlittrig, daß ich im wahrsten Sinne des Wortes dank meiner Wanderstöcke wie auf Miniskiern mit meinen Wanderschuhen zum Teil „herunterfahren„ konnte. Am späten Nachmittag erreichten wir erschöpft das Aschefeld, wo wir in gefahrenfreier Zone unsere Zelte aufschlagen konnten. Nach kurzer Mittagspause ging es dann noch einmal eine knappe Stunde weiter zum Marum Vulkan. Der Lavasee war letzten Endes nur noch halb so beeindruckend auf Grund der Erlebnisse der letzten 7 Stunden muss man sagen. Die Lava Eruptionen des Yasur auf Tanna sind sicherlich spektakulärer. Nichtsdestotrotz sind wir an diesem Abend glücklich und erschöpft, aber auch mehr als besorgt in unserem Zelt eingeschlafen, mit dem Gedenken, am nächsten Morgen das Ganze rückwärts bewältigen zu müssen. Dankbar um unseren Schlafsack, in der Nacht wurde es eisekalt, sind wir im Morgengrauen aufgestanden. Der Aufstieg durch das lose Geröll eine Qual: 2 Schritte vor, 1 Schritt zurück gerutscht. Zudem hatte es angefangen zu regnen, alles lag in tiefen Nebelwolken, der Boden schlüpfrig und schlichtweg der Weg entlang des Kratergrades gefährlich und bei genauem hinsehen- lebensgefährlich. Der eigentliche Abstieg stand uns noch bevor. Unser Guide und Träger wurden immer nervöser und haben immer nur gesagt „danger-danger“-“ slowly slowly“- „rain no good!“ Wir hatten jedoch keine andere Wahl- 2 l Trinkwasser waren noch übrig- warten auf besser Wetter Anbetracht der tief hängenden Wolken keine wirkliche Alternative- also im wahrsten Sinne des Wortes „ Augen zu und durch!“ Letzten Endes sind wir heile den Berg wieder hinunter gekommen und auch aus dem Aschefeld heraus. Als der Truck uns um 13.00h pünktlich in Empfang nahm, waren wir mehr als froh- dies war mit Abstand unser bisher gefährlichstes Abenteuer in unserem ganzen Reiseleben- und soo beim besten Willen nicht geplant!
Später erfuhren wir in unserem letzten Dorf, die Strecke ab Meltungen sei mit Abstand die gefährlichste und im Regen nicht begehbar. Gesagt hatte uns das leider im Vorfeld niemand im Dorf und unser Reiseführerbuch hatte an dieser Stelle kläglich versagt.
Die letzten 2 Tage verbrachten wir wieder in Meeresnähe. Im Kreise einer Familie waren wir von unzähligen Hühnern, Schweinchen und Hunden- vor allem Flug-Hunden umgeben. Ein großer Mangobaum bildete das Zentrum des kleinen Dorfes. Das Gezetere der Flughunde in der Nacht aus dem Mangobaum heraus, erinnert stark an die kleinen Gremlins der 80`- insbesondere dann, wenn immer wieder ein Flughund beim Pflücken einer Mango abstürzt, aufs Wellblechdach knallt und sich kreischend an der Kante entlang hangelt- wir haben Tränen gelacht. Am Morgen sah der Boden unter dem Mangobaum jedesmal wie nach einer großen Schlacht aus, und jeden Morgen hat die 87 jährige Oma den Platz unter dem Baum gekehrt, bevor sie sich in ihre Ecke verzogen hat, um mit ihren erstaunlich flinken Fingern unzählige Dachteile aus Palmblättern zu flechten- Tag für Tag!
Das Haus in dem wir schliefen, hatte, ganz fortschrittlich, ein Wellblechdach, um Regenwasser zu sammeln, das dann in ein Becken weitergeleitet wurde. Von dort wurde dann in Eimern das Wasser, sei es zum Waschen oder zum Trinken, geholt. Den Kochkurs, den wir erhielten, läßt sich leider mangels Landkrebsen und Bananenblättern zu Hause nur schwierig nachkochen- aber immerhin- haben sich die ehemaligen Kannibalen auf eine neue Nahrungsquelle umgestellt! Auf der Nachbarinsel Malekula gab es noch nachgewiesenermaßen bis in die 80er Jahre Kannibalismus und da sollte eigentlich auch noch unser Weiterflug hingehen! Aber Anbetracht der 9 tägigen Robinson Crusoe Tour und nun der Aussicht auf 3 Tage „Urlaub“ mit Dusche, kaltem Bier und Internet haben uns dann doch dazu animiert, direkt auf die Hauptinsel zurückzufliegen.- Schließlich braucht man ja auch noch ein paar Ziele für das nächste Mal!
Letzten Endes sind wir froh, nun wieder in Vila auf Efate zu sein. Seit unserer Ankunft vorgestern gewittert es ohne Ende und die Wahrscheinlichkeit, daß wir auf Malekula festgesessen hätten ist recht groß. Am Donnertag geht nun unser Flug zunächst nach Sydney, von wo aus wir am Samstag weiter nach Christchurch/ New Zealand fliegen. Laut Kalender haben wir noch 9 Wochen- unsere To- Do- Liste für zu Hause ist schon ganz schön lange und irgendwie wissen wir gar nicht, wo die letzten Monate geblieben sind. Gestern war Nikolaus, der 2. Advent ist vorbei- wir vermissen Weihnachtsplätzchen und Glühwein- und Weihnachten ohne Schnee und kalt fühlt sich eben nicht wie Weihnachten an.
In diesem Sinne wünschen wir Euch an dieser Stelle schon einmal eine ruhige und besinnliche Vorweihnachtszeit- und futtert ein paar Plätzchen für uns mit- Ja???!!!!
Alles Liebe ...von der fast anderen Seite der Welt!
Freitag, 19. November 2010
Australien- oder: Das Land der Fliegen!
Nachdem uns Kuala Lumpur ja nur als kurzer Zwischenstop gedient hatte, sind wir am
18. Oktober pünktlich morgens zum Sonnenaufgang in Perth angekommen. Per Taxi ging es zu unserem Campmobil Verleih. „Tja - die Zeiten der „100 Rupee - 1 Eur - Taxifahrten“ sind nun vorbei“- denken wir, als wir dem pakistanischen Taxifahrer die 18 Dollar (ca.13 Eur) für die 3 Minutenstrecke in die Hand drücken. Unser Campmobil war noch nicht ganz fertig, sodaß wir erst einmal Einkaufen gegangen sind, um unseren Kühlschrank aufzufüllen. Wie sehr hatten wir uns darauf gefreut, endlich einmal wieder selbst kochen zu können! Wir sehr haben wir am Ende der 4 einhalb Wochen das „Asiatisch- Europäische “ Preisniveau vermisst ! Bei 25 AUD ( 18,11 Eur) für eine Pizza vom Schnellimbiß oder 35 AUD (25,36) aufwärts für ein einfaches Essen in einem simplen Restaurant, überlegt man sich das Essengehen zweimal!
Australien in Kürze:
Route:
Knapp 6000 km entlang der Westküste zunächst nördlich von Perth durch den Yanchep Nationalpark, entlang einer der vielen Wildblumen Highways, die sich jetzt im Frühling von ihrer schönsten Seite zeigen, zu den Pinnacles und dem Leseur NP. Dann weiter nach Kalbarri NP, von dort nach Sharks Bay mit seinen Dugongs (Seekühe) und Delfinen, vorbei am Hamelin Pool mit den Stromatoliten nach Coral Bay und weiter nach Exmouth und dem Ningaloo Riff zum Schnorcheln mit den Haien.
Anbetracht der Zillionen von Fliegen, endlos langen, kerzengeraden Straßen, die nur von Zillionen von Kangaroo Kadavern unterbrochen wurden, durch Steppe und Steppe und nichts als Steppe, Entschluß, nicht weiter in den Norden zu fahren, sondern statt dessen zurück nach Perth und den Südwesten zu erkunden.
Dann also nach Fremantle und Rockingham mit seiner Pinguin Island, weiter nach Cape Naturaliste und Yallingup und Margaret River, zum Cap Leeuwin, durch mehr als 400 Jahre alte Baumbestände in der Pemperton Region nach Cap Entrecasteaux. In Walpole den Giant Tree Top Highway besucht und von Albany aus zurück nach Fremantle und Perth gefahren- Fertig!
Tierbekanntschaften:
-Zillionen von Fliegen!!!! Ich hatte ja nie Verstanden warum diverse Outdoor Händler diese Kopf- Mosquitonetze verkaufen, dachte ich doch naiv eben NUR an Mosquitos und warum sollte ich da NUR den Kopf schützen. Wir hätten stutzig werden wollen, als uns die nette Verkäuferin in Perth beim Kauf unserer Schnorchelausrüstung auch gleich noch diese Kopffliegennetze ans Herz gelegt hatte!
„ Brauchen wir nicht!“ waren wir uns einig- wenn man aber wie gesagt von Zillionen von Fliegen- und eben keine Mosquitos- attackiert wird, die einem gezielt in die Augen , Ohren, Nasenlöchern und Mundöffnung krabbeln, wenn man ungelogen keine 10m gehen kann, ohne wenigsten 1 Fliege aspiriert zu haben, wenn man nur noch am Um-sich-schlagen ist und einem jegliche Freude am Wandern vergeht- dann kauft man ganz, ganz schnell diese Kopfnetze!
- 6 Schlangen, die alle giftig waren
- Zillionen von Kangaroos, Wallabies und Emus, ungefähr hälftig am Leben oder als Kadaver auf der Straße
Koalas
- 2 Shuffle-Nose-Rays, 1 Bull-Tail-Ray und sonstige Rays
- unzählige Schildkröten und Dugongs
- Riff-Haie
- Zillionen von Kakadus und sonstigen Sittichen
- 1 Entenküken, daß wir gerettet haben
- Pinguine, Pelikane, Kormorane
- Buckelwale, Delfine und Seelöwen
und vieles, vieles mehr.....
Kommentar Andreas, als ich frage, was ich denn nun zu Australien schreiben könnte: Wunderschönes Land, viel zu teuer und viel zu normal!
Den Zivilisation-Koller hatten wir ungefähr nach 8 Tagen: Hier waren wir Touristen- zuvor waren wir Reisende ;-).
Und nachdem hier nicht nur laut Statistik die meisten Touristen aus Deutschland kommen, hört man meist auch nur Englisch oder Deutsch. Selbst die Campervan Broschüre war in deutsch geschrieben.
Um diesem Umstand zu Umgehen haben wir meist „wild“ gecampt- sprich: Ziel war es, am Abend einen netten, ruhigen Stellplatz für unser Übergangshaus zu finden – der nicht auf einem Campingplatz lag, bevorzugt mit Blick auf 's Meer oder sonstwie nett!
Somit hatten wir mehrere „Fliegen“ mit einer Klappe geschlagen:
Ein Hauch von Abenteuer, anbetracht nächtlicher Toilettengänge im Giftschlangenland, 30 AUD pro Nacht für den Campingplatz gespart, unverbaute Sicht auf das Meer, und keine Party 19jähriger deutscher Abiturienten auf dem Campplatz nebenan, die gerade zum 100x ihr australisches „Travel und Work“ Visum befeiern!
Nicht zu erwähnen dabei die schönsten Sonnenuntergänge mit einem Glas australischen Weins (Lieblingswein bisher: Yellow Tail Carbanet Sauvignon) und morgens den Blick auf Kangaroos, die unseren Campervan inspizieren inklusive.
Das Schnorcheln am Ningaloo Riff war klasse, wenn auch unsere „ Manta Ray Tour“ sprichwörtlich ins Wasser fiel: 2% aller Manta Ray Touren sehen keine Manta Rays- und wir haben dazu gehört. Alternativ bot man uns dann unzählige Riffhaie, sonstigen Rays und die mit Abstand gigantischsten Korallenriffe an, die wir je gesehen haben ;-)).
Wie anfangs schon erwähnt haben uns die Fliegen im nördlichen Landesteil ganz heftig die Laune verdorben. Wenn wir auch gedacht hatten, die letzten 8 Monate hätten uns bezüglich „Getiers“ und anderen Unannehmlichkeiten abgehärtet, so wußten wir bis dato nicht, wie sehr diese kleinen Mistviecher einem das Leben schwer machen können. An dieser Stelle kurz meine aktuelle Reiselektüre von Paul Theroux „The Happy Isles of Oceania“ frei zitiert: „ Australier öffnen beim Reden nicht den Mund und sprechen aus Angst vor den Fliegen durch die Zähne!“
Nichtsdestotrotz „No worries“ - wie der gemeine Australier dazu nur sagen würde ;-)))
Anbetracht der Fliegenplage sind wir gen Süden geflüchtet. Dort deutlich weniger attackiert hat dann auch das Wandern wieder Spaß gemacht- von der ein oder anderen kreutzenden Giftschlange einmal abgesehen.
Und nun? Nun ist auch dieser Abschnitt zu Ende. Wir sind in Fremantle notgedrungen auf einem Campingplatz, haben unser Campmobil grundgereinigt und sind dabei, unsere 15 kg Rucksäcke zu packen. Morgen geht unser Flug nach Vanuatu via Sydney. Allein 5 Stunden fliegt man von Perth nach Sydney, die Dimensionen sind hier einfach ein klein wenig anders. Über Vanuatu wissen wir nicht viel, ausser das, was uns eben unser Lonely Planet „Pacific Islands“ -die Reiseführer-Bibel all unserer Vorbereitungen - darüber erzählt hat – wir sind gespannt
Freitag, 15. Oktober 2010
Nepal- Indien- und endlich am Meer!!!
Nepal ...haben wir abgekürzt: Zu viele Touristen- laut Travelagency allein 5000 jeden Tag auf dem Annapurna Trek, zu viele Kiddies- die zugedröhnt den ganzen Tag Party machen, egal ob die Zimmernachbarn die irrsinnslaute Musik mögen oder nicht, zu viel Regen- da der Monsoon noch nicht zu Ende ist und einfach- der Wunsch ans Meer zu kommen.
Das „Dasein Fest“ in Kathmandu zu Ehren der Kumari, die als Inkarnation der hinduistischen Götting Durga gilt, durften wir noch mitfeiern. Die Kumari- ein kleines Mädchen- wird im Säuglingsalter ausgewählt und bis zur 1. Mens als „Lebende Göttin“ angebetet. In dieser Zeit lebt sie in vollkommener Abgeschiedenheit in einem Palast in Kathmandu und zeigt sich ( oder besser: wird gezeigt) einmal im Jahr dem Nepalischen König samt Nepalis, tausenden anwesenden Touristen und Militär. Ein Spektakel der besonderen Art!
Mit dem Motorrad nach Pokhara zu fahren war abenteuerlich und nach den ersten 20 km wollten wir eigentlich wieder umkehren. Es ist eine Sache, nepalischen Verkehr gesichert aus einem Taxi oder Bus heraus zu erleben, es ist eine andere auf einem Zweirad mittendrin zu sein. Ultraschlechte Strassen, die aus aneinander gereihten Schlaglöchern mit intermittierenden Geröllfeldern bestehen, so daß man durch die überholenden Trucks ständig eingenebelt ist und der Staub zwischen den Zähnen knirscht, so hatten wir uns die Strecke nicht vorgestellt. Daß ständig Hunde, Kühe, Hühner, Wasserbüffel, Kinder oder sonstige unachtsame Menschen einem in regelmäßigen Abständen vors Moped springen, kennen wir von Indien und sind daran gut adaptiert. Daß wir aber am Tage vor unserer Abfahrt in der Zeitung lesen konnten, wie auf unserer ursprünglich geplanten Strecke zum Bardia Nationalpark ein Busfahrer zu Tode geprügelt und in einen Fluß geworfen wurde, da er ein 3 jähriges Mädchen überfahren hatte und nun die Strecke durch streikende Busfahrer bis auf weiteres komplett gesperrt ist, ließ doch gewisse Zweifel aufkommen, ob unsere Idee nicht eher eine Schnapsidee war.
Letzten Endes sind wir dann über Bandipur, einem kleinen, bisher noch nicht all zu touristischen, ursprünglichen Newari Dorf, nach Pokhara gefahren. Nach anfangs unendlich schlechten 30 km wurde die Strasse deutlich besser und die Fahrt entlang des Trisuli Flusses mit Reisterrassen, Bananenstauden zum Anhalten und selberpflücken, kleinen Dörfern, in die normalerweise kein Tourist kommt, mit Thalis ( Reis und 3 verschiedene Curries -lecker!) auf Bananenblatt für 1 EUR, haben uns dann doch wieder lachen lassen- halt eben eingestaubt von oben bis unten ;-)).
Knapp eine Woche und insgesamt 460 km waren wir mit dem „Radl“ unterwegs, bevor es die gleiche abenteuerliche Strecke nach Kathmandu wieder zurück ging.
Und mittlerweile?
Mittlerweile haben wir unsere Route nun bis zur Rückreise geplant und weitestgehend gebucht. Unsere Reisegeschwindigkeit wird sich etwas ;-) erhöhen- vorbei sind die Zeiten mit Hühnerbus und erdrutschbedingten Verspätungen.
Mittlerweile sind wir letzten Donnerstag nach Kalkutta/ Indien geflogen und auch die Ausreise aus Nepal geht in die Sammlung der skurrilen Kurzgeschichten der Grenzübergänge ein:
Wir legen gerade unsere Rucksäcke aufs Förderband des Gepäckscanners, als hinter uns 3 Männer versuchen einen doch etwas sperrigen Gegenstand durch die etwas engere Eingangstür des Terminals zu buchsieren. Beim genaueren Hinsehen gibt sich der „Gegenstand“ als Sarg zu erkennen. Nach initialem zweimal Hingucken müssen, fragt man sich zwangsläufig, ob der Sarg nun leer ist ( weil z.B. Korpus nach Kathmandu geflogen wurde um in den Ghats von Patupashinat verbrannt zu werden und der teure Sarg nun quasi recycelt und nach Kalkutta zurückgeflogen wird????) oder ob in dem Sarg, der da wie gesagt gerade Richtung Gepäckbeförderungsband samt Scan gefahren wird, tatsächlich ein Leichnam liegt????
Nach mehreren Versuchen gelingt es den 3 Männern mit Gestöhne und Gescheppere den Sarg irgendwie auf das Gepäckbeförderungsband zu heben. Mittlerweile hat sich eine kleine Menschentraube hinter dem Scan Monitor gebildet, nicht zu erwähnen, jeder bemüht, nicht all zu offensichtlich zu schmunzeln. Auch wir können ein Blick auf den Bildschirm erhaschen und in der Tat- Sarg plus Leichnam- fein säuberlich gescannt zwischen Koffern und Taschen!
Von Kalkutta aus ging es 28 Std. mit dem Coromandel Express Zug fast die gesamte Ostküste bis nach Chennai hinunter. Eigentlich wollten wir ja viel länger in Indien bleiben bzw. auf die Andamanen fliegen, aber wie schon in Nepal, hatte der verspätete Monsoon uns einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Und irgendwie hatten wir das Gefühl, so sehr, wie wir das asiatische Chaos lieben, fast 7Monate reichen jetzt erst einmal und wir sind reif für die Zivilisation- zumindest vorübergehend ;-)).
Gestern sind wir dann zum Schnäppchenpreis von 82 EUR nach Kuala Lumpur/ Malaysia geflogen. Und von hier geht es übermorgen für 182 Eur nach Perth/ Australien weiter, wo ein hoffentlich hübscher Campervan auf uns wartet, der uns entlang der Westküste zum Ningalooriff bringen soll. Und weitere 4 ½ Wochen später sitzen wir dann erneut im Flugzeug: Am 17.11. geht’s nach Port Vila/ Vanuatu, von wo aus wir Mitte Dezember mit kurzem Zwischenstop in Sydney, weiter nach Christchurch/ Neuseeland fliegen. Dort wartet hoffentlich erneut ein nettes „Übergangshaus“ in Form eines Campervans auf uns, der uns die Südinsel samt Pinguinen zeigen wird. Und da wir dann nunmal schon da „UNTEN“ in der Ecke sind und wir ja schließlich braungebrannt im Februar zu Hause ankommen wollen, hüpfen wir für 4 Wochen mit unserem Pacific Airpass auf die Cook Inseln ;-)) zu denen wir sonst bei einem regulärem Flugpreis von 4000 Eur pro Person ab Frankfurt sicherlich nicht so schnell fliegen würden!
Am 5.2. landen wir wieder in Auckland und einzig und allein der Rückflug muß noch dingfest gemacht werden. Sprich: In der 1. Februarwoche sind wir wieder zu Hause !
Ein Resümee nach 7 Monaten:
-nach 4 Monaten wollten wir frühzeitig nach Hause fliegen
-nach 7 Monaten bedauern wir, keine 18 Monate für die Reise geplant zu haben
-Budget: deutlich weniger ausgegeben als kalkuliert(weniger als 1000 Eur pro Person und Monat)
-Langzeit-Reisen ist anstrengender als gedacht
-Highlight: 5 Wochen Tajikistan- Abenteuer und Natur pur!
-Lowlight: Chinesische Präsenz in Tibet
-am Meisten geirrt haben wir uns bezüglich Uzbekistan: Soooo viele Touris!
-am Meisten positiv überrascht hat uns Südostanatolien: Einfach wunderschön und vor der Haustür!
-am Meisten genervt: Nepal mit seinen Massen an „deutschen Tourgruppen-Party-Teenies-pseudAdventurer- Drogen“- Touristen!
-Was uns am meisten fehlt? Unsere Freunde und Familie- die uns kennen!
-Was uns anstrengt: Neue Bekanntschaften, die ein Gespräch mit "Wie heißt ihr, woher kommt ihr, was macht ihr beruflich, wie lange reist ihr, wo seid ihr gewesen und wohin wollt ihr?" anfangen!
-Was wir kulinarisch am Meisten vermissen? Leckeren Pfälzer Wein
-Was wir noch vermissen? Unsere Couch- Platz der Ruhe!
-Zweifel, ob die Entscheidung 1 Jahr um die Welt zu reisen richtig war: Nein!
Mittwoch, 29. September 2010
Worüber wir heute gestolpert sind....
Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte ...
von Jorge Luis Borges
Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen,
ich wäre ein bischen verrückter, als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen,
ich würde nicht so gesund leben,
ich würde mehr riskieren,
würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weisst,
aus diesen besteht nämlich das Leben.
Nur aus Augenblicken;
vergiss nicht den jetzigen.
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie ... ich bin 85 Jahre alt und weiss,
dass ich bald sterben werde.
Sonntag, 26. September 2010
Donnerstag, 23. September 2010
Freitag, 27. August 2010
China
...trotz Ultrasurf haben wir auf Grund der Internetzensur in China und Tibet so gut wie keine Möglichkeit unseren Blog upzudaten....
In Kürze: Es geht uns gut und wir melden uns Mitte September aus Nepal wieder. Emails können wir jedoch empfangen und wir freuen uns wie eh und je herzlichst über jede Nachricht von zu Hause.
1000 Grüße Sandra und Andreas
In Kürze: Es geht uns gut und wir melden uns Mitte September aus Nepal wieder. Emails können wir jedoch empfangen und wir freuen uns wie eh und je herzlichst über jede Nachricht von zu Hause.
1000 Grüße Sandra und Andreas
Mittwoch, 11. August 2010
Sonntag, 1. August 2010
Donnerstag, 15. Juli 2010
Vom Dach der Welt nach Kirgistan...
Vor fast 3 Wochen sassen wir in Khorog und haben die letzten Zeilen unseres Blogs geschrieben. Und heute sind wir tatsächlich in Osh / Kirgistan angekommen: Auf dem Landweg. Lange haben wir gezögert und gehadert, ob wir das Risiko bei dieser unsicheren Lage in Kirgistan eingehen sollen. Aber die Meldungen der letzten Tage von hiessigen NGO`S bzw. Mitreisenden hat uns dann doch von der Machbarkeit überzeugt. Die Strassen in Osh sind ausgestorben, die meisten Läden ausgebrannt, mit Brettern zugenagelt. Der Ortseingang wird vom Militär überwacht -aber es ist ruhig. Wir gehen nachher nur schnell schauen, ob irgendwo eine Chaikhana offen ist- eine Teestube, wo man eine Kleinigkeit essen kann- falls nicht, wir haben uns im Vorfeld mit Nudelsuppen eingedeckt und morgen früh geht es direkt weiter nach Bishkek.
Mal wieder der Reihe nach: 39 Tage Tajikistan sind heute leider zu Ende gegangen. Mit Abstand der beeindruckenste Teil unserer Reise! An dieser Stelle schon vorab liebe Grüsse an Thomas und Sabine: Ihr habt die richtige Entscheidung getroffen! Bei diesen Strassenverhältnissen wärt ihr mit dem Truck nicht durchgekommen.
Am Anfang der 39 Tage war das Fan-Gebirge: Unzählige türkisblaue Seen, Bergriesen von über 5000m Höhe, verwunschene Wälder- wo wir jeden Moment mit dem Erscheinen von Hobbits und Feen gerechnet haben, große und kleine kristallklare Gebirgsbäche, die schönsten Campingplätze, Hirten , die uns mit frisch gebackenen Fladenbrot und Kefir gefüttert haben, geschunden Füsse und Sonnenbrand vom Wandern, 2 neue Freunde „ Hungry und Hungrier“- 2 kleine Esel, die unser Gepäck bergauf und bergab dank Bestechungsgeld in Form von Keksen getragen haben, tausende von blühenden Hochbirgsblumen und Bettwanzen, die mit uns in einem Homestay im gleichen Bett übernachtet haben. Die 12 Tage waren furchtbar schnell vorbei und das Hauptziel- der Pamir- lag immer noch vor uns.
Unsere Weiterfahrt nach Dushanbe wurde abrupt unterbrochen: 3 Autolängen vor uns hatte ein riessiger Erdrutsch die Strasse versperrt. Gott sei dank gab es keine Verletzte. Beim Versuch die Schlammmassen zu über bzw. zu durchqueren waren wir wie alle anderen inital natürlich steckengeblieben und wurden anschliessend von einem 4 WD rausgezogen. Kaum hatten wir den ersten Geröllberg hinter uns lag der 2. bereits vor uns. Mittlerweile hatten wir unsere Rucksäcke aus dem Auto geholt und uns mit dem Gedanken angefreundet, zu Fuss über die Erdrutsche Richtung Dushanbe weiterzukommen. Immer wieder erfolgte bei Nieselregen der skeptische Blick hinauf zu den Bergen. Wo innerhalb 500m insgesamt 3 grosse Erdrutsche in den letzten 45 min heruntergekommen waren konnte jederzeit der nächste folgen!
Unser Fahrer war einmalig: Mit einem Opel Astra Kombi und Anlauf fuhr er in die Gerölllawinen hinein und wurde irgendwie auf der anderen Seite wieder herausgezogen. Wir mussten letzten Endes nicht nach Dushanbe laufen, auch wenn der Opel nach dem 3. Attentat auf das Getriebe unschöne Geräusche von sich gab. Dies war dann auch die erste und einzige Strecke in Tajikistan, die wir nicht in einem Jeep zurückgelegt haben. Von Dushanbe aus ging es nach Kuljab, von wo aus wir dann auf der tajikischen Seite entlang des Pyanj Flusses die gesamte nordöstliche afghanische Grenze gesehen haben. Afghanistan war zum Teil zum Greifen nah: Hirten und Kinder die uns gewunken haben und idyllische Dörfer direkt in die Felswände gebaut, km lange Steinpfade in steile Klippen gehauen und an einer Stelle ein Bautrupp, der einen solchen Steinpfad gerade erweiterte. Kaum zu glauben, dass Kundus, Faizabad und Kriegsgetümmel weniger als 100 km entfernt lagen. Die Strassen waren meistens nur Schotterpisten mit Schlaglöchern , größer als „Fussballfelder“ ( wir haben noch kein einziges Spiel der WM gesehen !!!!!!), Steinbrocken - grösser als Bierkästen und manch eine Brücke einfach von Schlammmassen weggerissen oder erst gar nicht existent, so daß Tajikistan bei uns als Land der Flußdurchquerungen eingegangen ist.
Via Khaleikhum ging es weiter nach Khorog- dem Tor zum Pamir. Noch immer sind wir mit Marc dem Australier unterwegs und in Khorog haben wir dann auch Ralf, Ricki und Danielle, die wir schon aus Samarkand kannten und mit denen wir bereits ins Fergana-Tal gereist waren, wiedergetroffen. Den Wakhan Korridor haben wir dann lachend zu sechst im Landcruiser verbracht. Nach 4 Tagen Wakhan Tal mit all seinen heissen Quellen, Ruinen und Petroglyphen hieß es erstmal am Bulunkul See wieder Abschied nehmen von den 3 Anderen- die wir aber sicher in Kirgistan wiedersehen werden.
Für uns hieß es dann ab Bachor mit 1 PS pro Person motorisiert, die nächsten 4 Tage Richtung Alichur entlang des Yashykul Sees zu rei(s)ten. Samt Packpferd, 3 Monat altem Fohlen und 2 Guides ging es immer höher bis zur Schneegrenze hinauf. Der höchste Pass lag bei 4300 m mit gigantischem Blick über die Hochebene. Die Anzahl der Flußdurchquerungen mit z.T. pferdebauchtiefe Stromschnellen haben wir in diesen 4 Tagen auf runde 20 geschätzt, die kleinen Bachläufe nicht mitgezählt. Am ersten Tag ging es durch ein grünes wildes Tal, wo wir am Abend am Fuße eines Bergriesen gezeltet haben. Die Trittsicherheit der tajikischen Pferde läßt einem das Herz in Anbetracht der Steilhänge und Geröllpisten die wir am 2. Tag überquert haben im wahrsten Sinne des Wortes höher schlagen... Belohnt wurden wir am Abend mit den schönsten Sonnenuntergängen und Tüten-Nudelsuppe, eissigen Nächten bei Minustemperaturen im Zelt und heißem Kaffee und Nudelsuppe am Morgen, bevor es dann wieder für 8 Stunden in den Sattel ging. ;-))) Andreas und Marc haben sich als Nicht- Reiter tapfer geschlagen und sicherlich ein Reitabzeichen verdient;-)) Kein Sturz - keine sonstigen Blessuren- und Muskelkater gabs auch beim Wandern- vielleicht nicht ganz so „Po“-betont ;-))
Insgesamt haben wir knapp 90 km entlang des Pamir Highways zu Pferd durch seine Seitentäler zürückgelegt, bevor wir müde aber gut gelaunt in Alichur angekommen sind. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht- an manchen Tagen fahren nur 5 Fahrzeuge durch den Ort. Wir hatten mal wieder Glück- wie sooft bisher: Eine halbe Stunde nach Ankunft konnten wir ein Auto Richtung Murghab anhalten, dass auch noch 3 Plätze frei hatte! Die letzten Tage in Murghab vergingen schnell. Die nach wie vor unklare Situationin Kirgistan mit Meldungen von über 2000 Toten rund um Osh und 400000 Flüchtlingen in den Grenzgebieten bereitete uns große Sorge. Internetzugang hatten wir im Pamir nicht mehr, sodaß wir auf Fremdrecherchen angewiesen waren. Die Infos waren zum Teil sehr unterschiedlich, sodaß wir beschlossen hatten, unser tajikisches Visum bis zum Schluss auszureizen um größtmöglichen Abstand zum Tag des Referendum mit erwarteten erneuten Ausschreitungen am 26.6. zu bekommen. Zusammen mit einem 2. Australier sind wir dann in den Ost Pamir aufgebrochen- ein Gebiet, in daß sich nur wenige Touristen verlaufen bzw. verfahren....Am 1. Tag entlang des Rangkul Sees wurden wir beim Überqueren des Hochpasses mit den ersten Marco Polo Schafen (...vom Aussterben bedroht) belohnt. Am Mittag gab es dann die Begegnung der besonderen Art, wie der ein oder andere vielleicht schon anhand der Bilder festgestellt hat. Von Weitem sah man bereits auf einer Weide eine kleine Menschenansammlung. Beim Nähern konnten wir dann die frisch geschlachtetetn Yaks erkennen. Mit strahlenden Gesichtern und blutigem Handschlag wurden wir begrüßt. Spielende Kinder, deren größte Freude darin bestand, auf den Mägen der Yaks zu trommeln. Männer, die mit Äxten die Grobarbeit geleistet haben, während die Frauen anatomisch korrekt, Schicht für Schicht die Eingeweide durchtrennten. Anschließend wurden die überdimensionierten Fleischportionen nicht ganz kühlkettengerecht in einen Mini Bus verfrachtet, um sie nach Murghab auf den Markt zu fahren...Nachdem das letzte Yakhaar zur Weiterverwertung von der Weide aufgesammelt war wurden wir zum Tee eingeladen: Einfache Lehmstube, 1 Holzofen, Kissen auf dem Boden, im Schneidersitz an der Wand angelehnt, ein Tischtuch in der Mitte ausgebreitet, frisches Fladenbrot- vom Hausherr in Stücke gerissen- wird einem vor den Schoss gelegt, die gefüllten Teetassen werden einem gereicht, dabei die freie Hand zum Herzen geführt und sich leicht nach vorne gebeugt. Frischer Kaymak, eine dicke Creme aus Yakmilch, sowie Kefir und Zucker werden in die Mitte gestellt und nach etwa einer Stunde ist die Teeceremonie beendet. Man verabschiedet sich, wieder mit einer leichten Verbeugung, die Hand zum Herzen geführt, verläßt ein Haus, dessen Uhrwerk so ganz anders tickt als das eigene und man troz aller Verständigungsschwierigkeiten ein solch herzliches Willkommen erlebt.. Wir werden gebeten 2 Frauen mit in das nächste Tal zu nehmen- den beschwerlichen Fußweg von über 20 km an diesem Mittag können wir ihnen gerne ersparen. In dem kleinen Seitental angekommen erfahren wir, dass wir unbewußt die nichtmarkierte Grenze nach China überfahren haben und somit einen ungeplanten vorzeitigen Tagesausflug nach China hatten! Auch hier werden wir wieder herzlichst zum Tee eingeladen: Nebst dem erwähnten Kaymak werden diesmal frische Forellen dazugereicht- mehr als lecker! Am Abend erreichen wir den kleinen Ort Shaimak. In einem Homestay können wir übernachten. In einem Zimmer werden dünne Matrazen auf dem Fußboden ausgerollt, man bekommt ein Kissen, den Schlafsack hat man selbst im Gepäck. Ein Verschlag, meist 50 m vom Haus entfernt, beinhaltet ein Plumpsklo, „Duschen“ sind meist gar nicht vorhanden. Wenn man Glück hat gibt es irgendwo ein Raum mit einem Wasserfass samt Kelle, und bei richtigem Luxus manchmal warmes Wasser, daß dann extra für uns erhitzt wird. An diesem Abend hatten wir Luxus pur: 10km weiter -eigentlich im Sperrgebiet zwischen China-Tajikistan und Afghanistan- konnten wir die Grenzbeamten bestechen und durften zu den dortigen heissen Quellen fahren- mit freiem Blick aufs Dreiländereck!!! Am nächsten Morgen gabs Gaudi pur: Nachdem wir ja bereits Pferde gezähmt hatten, hatten wir uns nun in den Kopf gesetzt, wie die Kirgisen, Yaks zu bändigen. Gesagt - getan: Die Bauern haben nicht minder gelacht und sich über ihr kleines Zubrot gefreut. Marcs Yak ging gleich mal durch und er landete in hohem Bogen im satten Wiesengrün, keine Sekunde später küsste Andreas den Boden und Andrews Yak rannte schnurstracks zur Herde zurück. Dass ich nicht vor lauter Lachen samt Kamera auch noch unfreiwillig vom Yak gepurzelt bin, hätte gerade noch gefehlt...!!! Nach einer halben Stunde waren wir Meister im Yaklenken und haben uns wirklich halb totgelacht. Danach ging es per Jeep weiter ins nächste Tal, über den nächsten 4000der Pass, entlang einer Hochebene, vorbei an einzelnen Jurten und Yakherden. Strassen gibt es in diesem Sinne nicht: Vereinzelte Fahrspuren geben einem wage die Richtung an, den Rest meistert der Fahrer anhand des Bergreliefs und Bachverläufe- Off Road pur! Am Abend schlafen wir in einem ehemaligen sowjetischen Jagdcamp, dessen Umgebung mit unzähligen Hörnern von Marco Polo Schafen übersäht ist......Als wir am nächsten Morgen zurück nach Murghab aufbrechen wollten, erzählt uns ein Hirte so ganz nebenbei, dass er vor 3 Tagen schon einmal Touristen getroffen hätte. Ein Unfall- mehr war initial auf Grund der doch erheblichen Sprachschwierigkeiten nicht zu verstehen. Nach 20 minütigem Nachfragen erscheint uns das Geschilderte so suspekt, dass wir beschliessen, in das genannte Tal zu fahren um nachzusehen, ob jemand Hilfe braucht. Soweit wir den Hirten verstanden hatten, wären dort 2 Touristen mit ihrem Auto in einem Flußbett steckengeblieben und würden dort nicht mehr rauskommen. Nach 2 Stunden Fahrzeit hatten wir langsam Zweifel. Das Terrain war mehr als schlecht, sodaß wir selbst beinahe 2x in einem Flußbett bzw. Schlammloch steckengeblieben waren. Wir waren kurz davor, unserem Fahrer zu sagen, daß wir umkehren wollten, als wir einen roten Iveco in einem Flußlauf entdeckten. Das Schweiz-Deutsche Pärchen kannten wir schon von Khorog- und die Freude war mehr als groß....!!! Nach geglückter Abschleppaktion ging es dann mit nur noch bedingt fahrtauglichem Iveco im Konvoi zurück nach Khorog, wo dann am Abend das ein oder andere Baltika vernichtet wurde....;-))
Erneut galt es am nächsten Morgen alle Informationen bezüglich Kirgistan und Osh zusammenzutragen-unzählige Telefonate später stand dann der Entschluss fest, daß wir den Weg durch Südkirgistan riskieren. Die erste Etappe sollte uns an den Karakol See bringen, den höchstgelegensten Sees Zentralasiens. Dass man in dieser Höhe von Mosquitos regelrecht attakiert wird stand leider nirgendwo im Reiseführer ;-( . Wiedereinmal stand ein Tag mit Grenzübergang an und wiedereinmal durften wir unsere Rucksäcke komplett entleeren. Mitten im Nirgendwo- einer Baustelle gleich- stand ein alter, verrosteter Container. Hätte unser Fahrer nicht angehalten und unsere Pässe verlangt, wir hätten nicht bemerkt , daß wir gerade im Begriff waren aus Tajikistan herauszufahren. Viele Stunden später und einige km weiter konnten wir dann endlich kirgisischen Boden betreten- wir sind gespannt!!??
Mal wieder der Reihe nach: 39 Tage Tajikistan sind heute leider zu Ende gegangen. Mit Abstand der beeindruckenste Teil unserer Reise! An dieser Stelle schon vorab liebe Grüsse an Thomas und Sabine: Ihr habt die richtige Entscheidung getroffen! Bei diesen Strassenverhältnissen wärt ihr mit dem Truck nicht durchgekommen.
Am Anfang der 39 Tage war das Fan-Gebirge: Unzählige türkisblaue Seen, Bergriesen von über 5000m Höhe, verwunschene Wälder- wo wir jeden Moment mit dem Erscheinen von Hobbits und Feen gerechnet haben, große und kleine kristallklare Gebirgsbäche, die schönsten Campingplätze, Hirten , die uns mit frisch gebackenen Fladenbrot und Kefir gefüttert haben, geschunden Füsse und Sonnenbrand vom Wandern, 2 neue Freunde „ Hungry und Hungrier“- 2 kleine Esel, die unser Gepäck bergauf und bergab dank Bestechungsgeld in Form von Keksen getragen haben, tausende von blühenden Hochbirgsblumen und Bettwanzen, die mit uns in einem Homestay im gleichen Bett übernachtet haben. Die 12 Tage waren furchtbar schnell vorbei und das Hauptziel- der Pamir- lag immer noch vor uns.
Unsere Weiterfahrt nach Dushanbe wurde abrupt unterbrochen: 3 Autolängen vor uns hatte ein riessiger Erdrutsch die Strasse versperrt. Gott sei dank gab es keine Verletzte. Beim Versuch die Schlammmassen zu über bzw. zu durchqueren waren wir wie alle anderen inital natürlich steckengeblieben und wurden anschliessend von einem 4 WD rausgezogen. Kaum hatten wir den ersten Geröllberg hinter uns lag der 2. bereits vor uns. Mittlerweile hatten wir unsere Rucksäcke aus dem Auto geholt und uns mit dem Gedanken angefreundet, zu Fuss über die Erdrutsche Richtung Dushanbe weiterzukommen. Immer wieder erfolgte bei Nieselregen der skeptische Blick hinauf zu den Bergen. Wo innerhalb 500m insgesamt 3 grosse Erdrutsche in den letzten 45 min heruntergekommen waren konnte jederzeit der nächste folgen!
Unser Fahrer war einmalig: Mit einem Opel Astra Kombi und Anlauf fuhr er in die Gerölllawinen hinein und wurde irgendwie auf der anderen Seite wieder herausgezogen. Wir mussten letzten Endes nicht nach Dushanbe laufen, auch wenn der Opel nach dem 3. Attentat auf das Getriebe unschöne Geräusche von sich gab. Dies war dann auch die erste und einzige Strecke in Tajikistan, die wir nicht in einem Jeep zurückgelegt haben. Von Dushanbe aus ging es nach Kuljab, von wo aus wir dann auf der tajikischen Seite entlang des Pyanj Flusses die gesamte nordöstliche afghanische Grenze gesehen haben. Afghanistan war zum Teil zum Greifen nah: Hirten und Kinder die uns gewunken haben und idyllische Dörfer direkt in die Felswände gebaut, km lange Steinpfade in steile Klippen gehauen und an einer Stelle ein Bautrupp, der einen solchen Steinpfad gerade erweiterte. Kaum zu glauben, dass Kundus, Faizabad und Kriegsgetümmel weniger als 100 km entfernt lagen. Die Strassen waren meistens nur Schotterpisten mit Schlaglöchern , größer als „Fussballfelder“ ( wir haben noch kein einziges Spiel der WM gesehen !!!!!!), Steinbrocken - grösser als Bierkästen und manch eine Brücke einfach von Schlammmassen weggerissen oder erst gar nicht existent, so daß Tajikistan bei uns als Land der Flußdurchquerungen eingegangen ist.
Via Khaleikhum ging es weiter nach Khorog- dem Tor zum Pamir. Noch immer sind wir mit Marc dem Australier unterwegs und in Khorog haben wir dann auch Ralf, Ricki und Danielle, die wir schon aus Samarkand kannten und mit denen wir bereits ins Fergana-Tal gereist waren, wiedergetroffen. Den Wakhan Korridor haben wir dann lachend zu sechst im Landcruiser verbracht. Nach 4 Tagen Wakhan Tal mit all seinen heissen Quellen, Ruinen und Petroglyphen hieß es erstmal am Bulunkul See wieder Abschied nehmen von den 3 Anderen- die wir aber sicher in Kirgistan wiedersehen werden.
Für uns hieß es dann ab Bachor mit 1 PS pro Person motorisiert, die nächsten 4 Tage Richtung Alichur entlang des Yashykul Sees zu rei(s)ten. Samt Packpferd, 3 Monat altem Fohlen und 2 Guides ging es immer höher bis zur Schneegrenze hinauf. Der höchste Pass lag bei 4300 m mit gigantischem Blick über die Hochebene. Die Anzahl der Flußdurchquerungen mit z.T. pferdebauchtiefe Stromschnellen haben wir in diesen 4 Tagen auf runde 20 geschätzt, die kleinen Bachläufe nicht mitgezählt. Am ersten Tag ging es durch ein grünes wildes Tal, wo wir am Abend am Fuße eines Bergriesen gezeltet haben. Die Trittsicherheit der tajikischen Pferde läßt einem das Herz in Anbetracht der Steilhänge und Geröllpisten die wir am 2. Tag überquert haben im wahrsten Sinne des Wortes höher schlagen... Belohnt wurden wir am Abend mit den schönsten Sonnenuntergängen und Tüten-Nudelsuppe, eissigen Nächten bei Minustemperaturen im Zelt und heißem Kaffee und Nudelsuppe am Morgen, bevor es dann wieder für 8 Stunden in den Sattel ging. ;-))) Andreas und Marc haben sich als Nicht- Reiter tapfer geschlagen und sicherlich ein Reitabzeichen verdient;-)) Kein Sturz - keine sonstigen Blessuren- und Muskelkater gabs auch beim Wandern- vielleicht nicht ganz so „Po“-betont ;-))
Insgesamt haben wir knapp 90 km entlang des Pamir Highways zu Pferd durch seine Seitentäler zürückgelegt, bevor wir müde aber gut gelaunt in Alichur angekommen sind. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht- an manchen Tagen fahren nur 5 Fahrzeuge durch den Ort. Wir hatten mal wieder Glück- wie sooft bisher: Eine halbe Stunde nach Ankunft konnten wir ein Auto Richtung Murghab anhalten, dass auch noch 3 Plätze frei hatte! Die letzten Tage in Murghab vergingen schnell. Die nach wie vor unklare Situationin Kirgistan mit Meldungen von über 2000 Toten rund um Osh und 400000 Flüchtlingen in den Grenzgebieten bereitete uns große Sorge. Internetzugang hatten wir im Pamir nicht mehr, sodaß wir auf Fremdrecherchen angewiesen waren. Die Infos waren zum Teil sehr unterschiedlich, sodaß wir beschlossen hatten, unser tajikisches Visum bis zum Schluss auszureizen um größtmöglichen Abstand zum Tag des Referendum mit erwarteten erneuten Ausschreitungen am 26.6. zu bekommen. Zusammen mit einem 2. Australier sind wir dann in den Ost Pamir aufgebrochen- ein Gebiet, in daß sich nur wenige Touristen verlaufen bzw. verfahren....Am 1. Tag entlang des Rangkul Sees wurden wir beim Überqueren des Hochpasses mit den ersten Marco Polo Schafen (...vom Aussterben bedroht) belohnt. Am Mittag gab es dann die Begegnung der besonderen Art, wie der ein oder andere vielleicht schon anhand der Bilder festgestellt hat. Von Weitem sah man bereits auf einer Weide eine kleine Menschenansammlung. Beim Nähern konnten wir dann die frisch geschlachtetetn Yaks erkennen. Mit strahlenden Gesichtern und blutigem Handschlag wurden wir begrüßt. Spielende Kinder, deren größte Freude darin bestand, auf den Mägen der Yaks zu trommeln. Männer, die mit Äxten die Grobarbeit geleistet haben, während die Frauen anatomisch korrekt, Schicht für Schicht die Eingeweide durchtrennten. Anschließend wurden die überdimensionierten Fleischportionen nicht ganz kühlkettengerecht in einen Mini Bus verfrachtet, um sie nach Murghab auf den Markt zu fahren...Nachdem das letzte Yakhaar zur Weiterverwertung von der Weide aufgesammelt war wurden wir zum Tee eingeladen: Einfache Lehmstube, 1 Holzofen, Kissen auf dem Boden, im Schneidersitz an der Wand angelehnt, ein Tischtuch in der Mitte ausgebreitet, frisches Fladenbrot- vom Hausherr in Stücke gerissen- wird einem vor den Schoss gelegt, die gefüllten Teetassen werden einem gereicht, dabei die freie Hand zum Herzen geführt und sich leicht nach vorne gebeugt. Frischer Kaymak, eine dicke Creme aus Yakmilch, sowie Kefir und Zucker werden in die Mitte gestellt und nach etwa einer Stunde ist die Teeceremonie beendet. Man verabschiedet sich, wieder mit einer leichten Verbeugung, die Hand zum Herzen geführt, verläßt ein Haus, dessen Uhrwerk so ganz anders tickt als das eigene und man troz aller Verständigungsschwierigkeiten ein solch herzliches Willkommen erlebt.. Wir werden gebeten 2 Frauen mit in das nächste Tal zu nehmen- den beschwerlichen Fußweg von über 20 km an diesem Mittag können wir ihnen gerne ersparen. In dem kleinen Seitental angekommen erfahren wir, dass wir unbewußt die nichtmarkierte Grenze nach China überfahren haben und somit einen ungeplanten vorzeitigen Tagesausflug nach China hatten! Auch hier werden wir wieder herzlichst zum Tee eingeladen: Nebst dem erwähnten Kaymak werden diesmal frische Forellen dazugereicht- mehr als lecker! Am Abend erreichen wir den kleinen Ort Shaimak. In einem Homestay können wir übernachten. In einem Zimmer werden dünne Matrazen auf dem Fußboden ausgerollt, man bekommt ein Kissen, den Schlafsack hat man selbst im Gepäck. Ein Verschlag, meist 50 m vom Haus entfernt, beinhaltet ein Plumpsklo, „Duschen“ sind meist gar nicht vorhanden. Wenn man Glück hat gibt es irgendwo ein Raum mit einem Wasserfass samt Kelle, und bei richtigem Luxus manchmal warmes Wasser, daß dann extra für uns erhitzt wird. An diesem Abend hatten wir Luxus pur: 10km weiter -eigentlich im Sperrgebiet zwischen China-Tajikistan und Afghanistan- konnten wir die Grenzbeamten bestechen und durften zu den dortigen heissen Quellen fahren- mit freiem Blick aufs Dreiländereck!!! Am nächsten Morgen gabs Gaudi pur: Nachdem wir ja bereits Pferde gezähmt hatten, hatten wir uns nun in den Kopf gesetzt, wie die Kirgisen, Yaks zu bändigen. Gesagt - getan: Die Bauern haben nicht minder gelacht und sich über ihr kleines Zubrot gefreut. Marcs Yak ging gleich mal durch und er landete in hohem Bogen im satten Wiesengrün, keine Sekunde später küsste Andreas den Boden und Andrews Yak rannte schnurstracks zur Herde zurück. Dass ich nicht vor lauter Lachen samt Kamera auch noch unfreiwillig vom Yak gepurzelt bin, hätte gerade noch gefehlt...!!! Nach einer halben Stunde waren wir Meister im Yaklenken und haben uns wirklich halb totgelacht. Danach ging es per Jeep weiter ins nächste Tal, über den nächsten 4000der Pass, entlang einer Hochebene, vorbei an einzelnen Jurten und Yakherden. Strassen gibt es in diesem Sinne nicht: Vereinzelte Fahrspuren geben einem wage die Richtung an, den Rest meistert der Fahrer anhand des Bergreliefs und Bachverläufe- Off Road pur! Am Abend schlafen wir in einem ehemaligen sowjetischen Jagdcamp, dessen Umgebung mit unzähligen Hörnern von Marco Polo Schafen übersäht ist......Als wir am nächsten Morgen zurück nach Murghab aufbrechen wollten, erzählt uns ein Hirte so ganz nebenbei, dass er vor 3 Tagen schon einmal Touristen getroffen hätte. Ein Unfall- mehr war initial auf Grund der doch erheblichen Sprachschwierigkeiten nicht zu verstehen. Nach 20 minütigem Nachfragen erscheint uns das Geschilderte so suspekt, dass wir beschliessen, in das genannte Tal zu fahren um nachzusehen, ob jemand Hilfe braucht. Soweit wir den Hirten verstanden hatten, wären dort 2 Touristen mit ihrem Auto in einem Flußbett steckengeblieben und würden dort nicht mehr rauskommen. Nach 2 Stunden Fahrzeit hatten wir langsam Zweifel. Das Terrain war mehr als schlecht, sodaß wir selbst beinahe 2x in einem Flußbett bzw. Schlammloch steckengeblieben waren. Wir waren kurz davor, unserem Fahrer zu sagen, daß wir umkehren wollten, als wir einen roten Iveco in einem Flußlauf entdeckten. Das Schweiz-Deutsche Pärchen kannten wir schon von Khorog- und die Freude war mehr als groß....!!! Nach geglückter Abschleppaktion ging es dann mit nur noch bedingt fahrtauglichem Iveco im Konvoi zurück nach Khorog, wo dann am Abend das ein oder andere Baltika vernichtet wurde....;-))
Erneut galt es am nächsten Morgen alle Informationen bezüglich Kirgistan und Osh zusammenzutragen-unzählige Telefonate später stand dann der Entschluss fest, daß wir den Weg durch Südkirgistan riskieren. Die erste Etappe sollte uns an den Karakol See bringen, den höchstgelegensten Sees Zentralasiens. Dass man in dieser Höhe von Mosquitos regelrecht attakiert wird stand leider nirgendwo im Reiseführer ;-( . Wiedereinmal stand ein Tag mit Grenzübergang an und wiedereinmal durften wir unsere Rucksäcke komplett entleeren. Mitten im Nirgendwo- einer Baustelle gleich- stand ein alter, verrosteter Container. Hätte unser Fahrer nicht angehalten und unsere Pässe verlangt, wir hätten nicht bemerkt , daß wir gerade im Begriff waren aus Tajikistan herauszufahren. Viele Stunden später und einige km weiter konnten wir dann endlich kirgisischen Boden betreten- wir sind gespannt!!??
Dienstag, 13. Juli 2010
Montag, 21. Juni 2010
Langsam zum Dach der Welt....
Die Zeit vergeht rasend schnell..mittlerweile sitzten wir in einem kleinen Provinznest namens Khorog, die Tastatur ist alleruebelst, sprich: Die Tasten klemmen und die Buchstaben sind nicht mehr zu erkennen und somit wird der BErciht nicht ganz so fein sauberlich sein , als wenn ich ihn auf unserem Laptop geschriebn haette..
Der Grenzuebertritt nach Tajikistan aus dem Fergana Tal in Uzbekistan war Gott sei dank unkompliziert. Auch davor hatten wir wieder fast schlaflose NAechte. In Uzbekistan muss man fuer jede Uebernachtung registriert werden und bekommt dafuer einen kleinen Zettel in den Pass geklebt. Wir hatten jedoch das ein oder andere Mal im Truck von Thomas und Sabine uebernachtet, sodass eben unsere Registrierung unvollstaendig war. Desweiteren hatten wir unserer Dollar Cash Reserven in Tashkent aufgefuellt und auch dass ist quasi illegal- man darf nicht mehr Devisen aus dem Land ausfuehren als man bei der Einreise in der Zolldeklaration angegeben hatte. Wuerde man uns also komplett checken- was eben sonst haeufig der Fall ist- wuerden wir doppelt gegen uzbekisches Recht verstossen und haetten ein richtiges Problem. Aber wie schon erwaehnt- mit einem Laecheln bewaffnet konnten wir den Grenzbeamten mehr auf unserer Kameraausruestung lenken als auf unsere Paesse oder gar unsere Geldverstecke. In Tajikistan angekommen ging es via Mashrutka ins naechste Dorf und von dort weiter nach Khojand. Zwischendrin wurde mitten im Nirgendwo angehalten um uns schwarz uzbekische Somoni, die man eigentlich auch nicht haette ausfuehren duerfen in tajikische Som zu wechseln.In Khojand mussten wir uns wieder registrieren was mehr als einen Tag und eine Geschichte fuer sich konsumierte. Mittlerweile reisen wir zu dritt , ein Australier namens Mark hat die gleiche Route und so drittelt sich jeder Preis fuer die zahlreichen Mietjeeps durch das Land, da oeffentliche Verkehrsmittel nur noch bedingt verfuegbar sind. Mit Stop in Istavarashan ging das Abenteuer Tajikistan los.Am Morgen Fussmarsch zum @Maschina Bazaar@ um einen Jeep nach Penjikent im Fangebirge zu mieten. Unsere Russisch- und Tajik Kenntnisse wachsen von Tag zu Tag ....und als wir uns ueber den Preis einig waren und das Auto gepackt war freuten wir uns darauf, dass endlich die Berge naeher kommen sollten. Keine 15 min spaeter, wir standen noch am Bazaar, hatte sich bei wohl bemerkt gepacktem Auto, der Preis ploetzlich vervierfacht- also alles wieder auspacken, nachfolgend Menschenansammlung und erneute Diskussion uber den Preis bis uns schliesslich ein Dritter den von uns vorgeschlagenen Preis gewaehrte. 5 min spaeter standen wir vor einem uralten grashuepfergruenen Lada Niva!Der solle uns ueber den 1. Pass bringen- wohl kaum. Aber bei fehlender Alternative stiegen wir in das Gefaehrt mit immerhin 4 Raedern ein. Erstaunlich bequem ging die Fahrt durch gruene Huegel, Schafsherden und kleinen Doefern in Richtung schneebedeckte Berge. Die Strasse, oder besser die Piste nicht geteert, Steinbrocken , Schlagloecher, Wasserpfuetzen so gross wie Mini-Seen sollten uns nun begleiten. Der kleine Lada schlug sich tapfer und wir kamen dem Gipfel immer naeher. Links von uns hunderte von Meter steiler Abhang, am Boden unzaehlige Autowracks , die irgendwann den Gipfel nicht erreicht hatten und bei maximaler Spurbreite von z.T. 3-4 m und Gegenverkehr unglueckseelig in die Tiefe gestuerzt sind.Haarestraeubend!Als der Griff des Fahrers zum klingenden Handy ging, war es mit der Fassung vorbei. Links der Steile Abhang, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes im Schlamm und Schneematsch entlangschlitterte und rechts die Lawinenreste und dann einhaendig fahren?? Mein Protest in entsprechender Lautstaerke hat er dann auch in deutsch verstanden und die Wieterfahrt verlief ohne Telefonate. Die Strasse nach dem Pass war durch Regen und Nebel fast nicht zu sehen, so dass wir uns nur langsam wieder dem Tal naeherten. Die Strasse wurde im Verlauf etwas breiter und durfte auch wieder Strasse genannt werden als vor uns Nomaden mit ihrer Schafsherde auftauchten. Die Herde versperrte die gesamte Strasse sodass wir ausstiegen und mit ihnen den Berg hinunterliefen bis irgendwann unser kleine gruener Lada ueberholen konnte.Nach 8 Stunden erreichten wir muede Penjikent. Bei leckerem Laghman, einer dicken Nudelsuppe mit Lammfleisch und frischen Lammshashlik samt kaltem Bier am Abend wurden die Plaene fuer die naechsten Tage geschmiedet- irgendwie Transport ins Murgozur Tal zu den 7 Seen organsieren, Vorraete zum Trekken und Campen aufstocken und Trekkingroute planen......Fortsetzung folgt... mit durch Erdrutsche versperrten Strassen und abenteurliche Fahrt entlang der gesamten afghanischen Grenze ab Kuljab bis Kaleikhum und weiter nach Khorog...
Morgen geht es weiter in den Wakhan Korridor im tajikisch-afghanischen Grenzgebiet. Am Samstag beginnt fuer uns ein 5 taegiger Trek per Pferd durch das pamirische Hochgebirge uber 4000m zum Sashykul See...und dann geht es weiter nach Murghab. Unser groesstes Problem: Kirgistan. Wir steuern direkt auf OSH zu , die Grenzen sind z. Teil geschlossen und wir haben nur noch bis zum 10.7. ein gueltiges tajikisches Visum . Notfalls mueesen wir in 3 Tagen den gesamten Weg, mehr als 1000km Buckelpiste zurueck nach Dushanbe und nach Bishkek oder Urumqui um nach China zu fliegen.... wir werden sehen.
Der Grenzuebertritt nach Tajikistan aus dem Fergana Tal in Uzbekistan war Gott sei dank unkompliziert. Auch davor hatten wir wieder fast schlaflose NAechte. In Uzbekistan muss man fuer jede Uebernachtung registriert werden und bekommt dafuer einen kleinen Zettel in den Pass geklebt. Wir hatten jedoch das ein oder andere Mal im Truck von Thomas und Sabine uebernachtet, sodass eben unsere Registrierung unvollstaendig war. Desweiteren hatten wir unserer Dollar Cash Reserven in Tashkent aufgefuellt und auch dass ist quasi illegal- man darf nicht mehr Devisen aus dem Land ausfuehren als man bei der Einreise in der Zolldeklaration angegeben hatte. Wuerde man uns also komplett checken- was eben sonst haeufig der Fall ist- wuerden wir doppelt gegen uzbekisches Recht verstossen und haetten ein richtiges Problem. Aber wie schon erwaehnt- mit einem Laecheln bewaffnet konnten wir den Grenzbeamten mehr auf unserer Kameraausruestung lenken als auf unsere Paesse oder gar unsere Geldverstecke. In Tajikistan angekommen ging es via Mashrutka ins naechste Dorf und von dort weiter nach Khojand. Zwischendrin wurde mitten im Nirgendwo angehalten um uns schwarz uzbekische Somoni, die man eigentlich auch nicht haette ausfuehren duerfen in tajikische Som zu wechseln.In Khojand mussten wir uns wieder registrieren was mehr als einen Tag und eine Geschichte fuer sich konsumierte. Mittlerweile reisen wir zu dritt , ein Australier namens Mark hat die gleiche Route und so drittelt sich jeder Preis fuer die zahlreichen Mietjeeps durch das Land, da oeffentliche Verkehrsmittel nur noch bedingt verfuegbar sind. Mit Stop in Istavarashan ging das Abenteuer Tajikistan los.Am Morgen Fussmarsch zum @Maschina Bazaar@ um einen Jeep nach Penjikent im Fangebirge zu mieten. Unsere Russisch- und Tajik Kenntnisse wachsen von Tag zu Tag ....und als wir uns ueber den Preis einig waren und das Auto gepackt war freuten wir uns darauf, dass endlich die Berge naeher kommen sollten. Keine 15 min spaeter, wir standen noch am Bazaar, hatte sich bei wohl bemerkt gepacktem Auto, der Preis ploetzlich vervierfacht- also alles wieder auspacken, nachfolgend Menschenansammlung und erneute Diskussion uber den Preis bis uns schliesslich ein Dritter den von uns vorgeschlagenen Preis gewaehrte. 5 min spaeter standen wir vor einem uralten grashuepfergruenen Lada Niva!Der solle uns ueber den 1. Pass bringen- wohl kaum. Aber bei fehlender Alternative stiegen wir in das Gefaehrt mit immerhin 4 Raedern ein. Erstaunlich bequem ging die Fahrt durch gruene Huegel, Schafsherden und kleinen Doefern in Richtung schneebedeckte Berge. Die Strasse, oder besser die Piste nicht geteert, Steinbrocken , Schlagloecher, Wasserpfuetzen so gross wie Mini-Seen sollten uns nun begleiten. Der kleine Lada schlug sich tapfer und wir kamen dem Gipfel immer naeher. Links von uns hunderte von Meter steiler Abhang, am Boden unzaehlige Autowracks , die irgendwann den Gipfel nicht erreicht hatten und bei maximaler Spurbreite von z.T. 3-4 m und Gegenverkehr unglueckseelig in die Tiefe gestuerzt sind.Haarestraeubend!Als der Griff des Fahrers zum klingenden Handy ging, war es mit der Fassung vorbei. Links der Steile Abhang, an dem man im wahrsten Sinne des Wortes im Schlamm und Schneematsch entlangschlitterte und rechts die Lawinenreste und dann einhaendig fahren?? Mein Protest in entsprechender Lautstaerke hat er dann auch in deutsch verstanden und die Wieterfahrt verlief ohne Telefonate. Die Strasse nach dem Pass war durch Regen und Nebel fast nicht zu sehen, so dass wir uns nur langsam wieder dem Tal naeherten. Die Strasse wurde im Verlauf etwas breiter und durfte auch wieder Strasse genannt werden als vor uns Nomaden mit ihrer Schafsherde auftauchten. Die Herde versperrte die gesamte Strasse sodass wir ausstiegen und mit ihnen den Berg hinunterliefen bis irgendwann unser kleine gruener Lada ueberholen konnte.Nach 8 Stunden erreichten wir muede Penjikent. Bei leckerem Laghman, einer dicken Nudelsuppe mit Lammfleisch und frischen Lammshashlik samt kaltem Bier am Abend wurden die Plaene fuer die naechsten Tage geschmiedet- irgendwie Transport ins Murgozur Tal zu den 7 Seen organsieren, Vorraete zum Trekken und Campen aufstocken und Trekkingroute planen......Fortsetzung folgt... mit durch Erdrutsche versperrten Strassen und abenteurliche Fahrt entlang der gesamten afghanischen Grenze ab Kuljab bis Kaleikhum und weiter nach Khorog...
Morgen geht es weiter in den Wakhan Korridor im tajikisch-afghanischen Grenzgebiet. Am Samstag beginnt fuer uns ein 5 taegiger Trek per Pferd durch das pamirische Hochgebirge uber 4000m zum Sashykul See...und dann geht es weiter nach Murghab. Unser groesstes Problem: Kirgistan. Wir steuern direkt auf OSH zu , die Grenzen sind z. Teil geschlossen und wir haben nur noch bis zum 10.7. ein gueltiges tajikisches Visum . Notfalls mueesen wir in 3 Tagen den gesamten Weg, mehr als 1000km Buckelpiste zurueck nach Dushanbe und nach Bishkek oder Urumqui um nach China zu fliegen.... wir werden sehen.
Montag, 14. Juni 2010
Donnerstag, 27. Mai 2010
Kulturschock Uzbekistan ???????
Wenn man Uzbekistan hört, fallen einem mehr oder weniger viele Dinge und Namen dazu ein. Für uns hieß Uzbekistan: Seidenstraße, Samarkand, Bukhara, ausgetrockneter Aralsee mit gestrandeten Schiffen – und wir dachten: Kaum Touristen.
Der Anfang hat gestimmt, die Anzahl der Touristen nicht!
Aber mal wieder der Reihe nach: Im Moment sitzen wir in Tashkent in unserem kleinen, gemütlichen Hotel die 5 Tage ab, die die chinesische Botschaft braucht, um unser China Visum zu erstellen. Fast alle anderen hier warten ebenfalls: China, Kirgistan und Tadjikistan sind heiß begehrt. Themen wie „Welche Nation muß welche Vorgaben der verschiedenen Embassies erfüllen, ist es eventuell einfacher, das Visum in Dushanbe oder Bishkek zu beantragen, sind die durch die Unruhen gesperrten Landgrenzen von Tadjikistan nach Kirgistan wieder offen, sind die Straßen vom Pamir Highway in Tadjikistan nach den Überflutungen der letzten Woche wieder passierbar, welche Möglichkeiten gibt es zur Zeit nach Tibet einzureisen und vor allem, wo in Tashkent gerade ein Visacard akzeptierender ATM ( EC Automat) funktioniert der dann auch noch tatsächlicher Dollar ausspuckt ?“ werden hier heiß diskutiert. Letzteres kann einem wahre Kopfschmerzen bereiten: Der Wechselkurs des Euros war in Uzbekistan bereits vor der Eurokrise deutlich schlechter als der Dollar. Als nächstes gibt es einen Schwarzmarkt, der einem den Kurs erheblich verbessert (statt offizieller 1500Som für 1 $ - 2200 Som auf dem Schwarzmarkt, somit ist Bargeld unerläßlich. ATM's gibt es nicht und cashed man mittels Visacard /Mastercard/ Traveller-Scheck in einer Bank oder Hotel darf man entsprechend 4% Komission zahlen, die in der Summe natürlich gewaltig ist.
Folglich ist jeder, sowohl Tourist als auch Einheimischer, darauf aus,in Tashkent, als einzige Stadt Uzbekistans mit Visa ATM diese seltenen Teile zu plündern, um seine Dollar Cash Reserven für den Schwarzmarkt aufzustocken - mit der Konsequenz, wenn gerade mal wieder einer gefunden ist, verbreitet sich die Info wie ein Lauffeuer und der Automat ist innerhalb kürzester Zeit wieder leer!
Den gestrigen Morgen verbrachten wir ab 7.30h in einer Schlange stehend vor der chinesischen Botschaft, die nur Mo-Mi-Fr von 9.00-12.00h geöffnet ist und letzte Woche geschlossen hatte. Gott sei Dank waren wir von einem belgischen Pärchen vorab per Mail darüber informiert worden, so daß wir bereits früh dort sein konnten. Steht man um 12.00h noch immer in der Schlange hat man Pech gehabt. Das Tor geht zu und man darf am übernächsten Tag wieder anstehen.
Insgesamt muß man sagen, hatten wir jedoch ausgesprochenes Glück anbetracht der vielen kleinen und größeren Visa- Horrorgeschichten: Wir brauchten keinen Letter of Invitation und wir konnten sogar das Double Entry Visum für 2x60 Tage beantragen – das dann - „Inshallah“ - am Freitag in unseren Pässen kleben wird. Ob wir tatsächlich ein Double Entry Visum für China brauchen werden, wissen wir noch nicht. Aber zur Zeit liebäugeln wir ein bissl mit Korea und Japan – aber das hat ja noch ein wenig Zeit!! Erstmal geht es Anfang nächster Woche nach Tadjikistan mit dem Pamir Highway und dann hoffentlich Kirgistan in Abhängigkeit der Aufstände und der Grenzsituation.
Die letzten 3 Wochen hatten einige „Überraschungen“ geboten. Angefangen in Nukus, wo wir für 3 Tage zu Sabine und Thomas, die wir ja schon aus dem Iran kannten, in den Truck zugestiegen sind. Somit durften wir die wahren Pflichten, Sorgen und Nöte der sog. Overlander, wie man die Selbstfahrer aus Europa nennt, erleben.
Die Strecke nach Moynaq war trocken und flach, die Dörfer arm und der Anblick des nicht mehr vorhandenen Aralsees mit seinen gestrandeten, verrosteten Schiffen deprimierend. Diese sowjet-hausgemachte Ökokatastrophe zählt zu den Weltgrößten der Geschichte.
Dank Sabine und Thomas konnten wir die Anzahl unserer „Wüstenübernachtungen samt Abenteuer“ noch einmal steigern.;-)
Die Rückfahrt sollte per GPS über eine etwas abseits gelegene Route verlaufen. Leider wurde die Überfahrt über einen breiten Fluß durch die nicht mehr vorhandene Brücke vereitelt, so daß die ganze bereits gefahren Strecke bei sengender Hitze wieder zurückgefahren werden musste. Einige Tage später haben wir per Internet noch einmal die Google Maps angeschaut - Die Straße ist in der Tat gut zu erkennen - zoomt man jedoch auf den Fluß, sieht man nur noch die Brückenreste!
Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch immer der Meinung fast alleine in Uzbekistan unterwegs zu sein. Selbst in Khiva war die Anzahl der Rucksackreisenden und Studiosusgruppen überschaubar, so daß man nach 3 Tagen fast jeden kannte. Am Wochenende fand ein riesiges traditionelles Musik- und Kulturfest unter Schirmherrschaft der Präsidententochter statt. Wrestling, Hahnen- und Widder-Kämpfe gab es zu bestaunen, sowie unzählige Tanz und Musikgruppen die ihr Talent zum Besten gaben. Anschließend gabs 2 Tage „Urlaub“ im Sinne von „Nichtstun“ wie Reiseberichte schreiben, Bilder nachzubearbeiten, Wäsche waschen und lesenderweise Route planen. Für jeden zu Hause mag das ja wie der pure Hohn klingen. Aber bis zur Einreise nach Turkmenistan waren wir ja fast alle 2 Tage irgendwo anders, sprich: Rucksack aus - und einpacken, neu orientieren, Hotelsuche, Sightsseing Tour, am Abend wieder Route oder falls schon geschehen , Weitertransport für die nächste Etappe planen und organisieren. Das ist auf Dauer richtig anstrengend. Um so schöner sind dann die wenigen Tage „Urlaub vom Urlaub“ - grotesk -gell???
Danach ging es weiter nach Bukhara: Nirgendwo auf der Welt- selbst in Paris oder sonstigen Metropolen-haben wir je so viele Tourbusse gesehen!!!! Jeder 2. Bus gehörte einer deutschen Reisegruppe. Gefolgt von Franzosen und Italienern. Jede Medressa und jede Moschee war in einen Souvenirladen verwandelt, so daß man zum Teil vor lauter Teppichen und Tüchern an den Wänden kaum noch die Mosaike aus der Nähe betrachten konnte. Die Preise waren dem kauflustigen und vor allem kaufkräftigen europäischem Puplikum angepasst. Eines Mittags saßen wir kaffetrinkenderweise in einem kleinen Lokal. An der Wand hing ein in der Tat wunderschönes 2x2m großes Tuch. Ein älteres Ehepaar zeigte sich interessiert und fragte nach dem Preis. Leider verstanden wir nur 5000.. und dachten, das ist aber günstig! 5000 Som(2,27$)-hhmm - das kann aber eigentlich auch nicht sein - aber 5000 $!!!!!??????? Auf Nachfrage bestätigte man lächelnd die 5000 $- aber man könne uns gerne noch einen kleinen Discount geben. Wir lehnten lachend dankend ab und waren froh, daß unser Kaffee nur 50 Cent gekostet hatte.
Somit war Uzbekistan irgendwie gar nicht mehr so „exotisch“ wie wir gedacht haben. Und wer also je einen Teil der Seidenstraße bereisen möchte, in Uzbekistan ist das mehr als einfach und ungefährlich - auch ohne organisierte Tourgruppe - möglich. Per Zug ging es dann 3 Stunden weiter nach Samarkand - der Stadt des Registans mit seinen blauen Kuppeln, Medressen und Mosaiken die wohl fast jeder mit der Seidenstraße in Verbindung bringt.
Und nachdem wir dort die Nachricht aus Tashkent erhielten, daß die chinesische Botschaft bis Montag geschlossen sei, haben wir es dort in unserem Hotel mit unzähligen Tassen Tee und Kaffee und stundenlangen Gesprächen mit Reisender aller Art gut ausgehalten. An dieser Stelle muß unbedingt eine weitere Überraschung erwähnt werden. Der gemeine Rucksacktourist in Zentralasien gehört in der Tat einer aussterbenden Art an: Mehr als 2/3 aller Reisenden hier sind mit dem Fahrrad von Europa hergefahren! In unserem Hotel standen an einem Morgen 11 Fahrräder: 2 Engländer (beide über 50 Jahre alt), 2 Italiener, 2 Schweizer, 2 Belgier, 2 Franzosen und 1 Deutscher.
An dieser Stelle übrigens ganz liebe Grüße an Adi und Luise aus München, die den heißdiskutierten Karakorum Highway nach Pakistan schon vor über 20 Jahren bereist haben! ;-))
Die Tage vergingen schnell und schon saßen wir am Sonntag Mittag wieder im Zug mit Ziel Tashkent. Die Taxifahrt zu unserem Hotel war noch einmal „abenteuerlich“. Zu viert steuerten wir auf die Taximafia zu. „ Gulnara Hotel-Chorsu Bazaar- Skol'ka stoid?“ „Gulnara Hotale Chorsu Bazaar-good-good-i know!“ war die Antwort, der Preis erstaunlich schnell ausgehandelt und die Rucksäcke verpackt. 3 Minuten Fahrtzeit später hält das Taxi vor dem besten 5 Sterne Hotel der Stadt. „ Mir Hotale! „ grinst uns der Taxifahrer an - „Gulnara-Gulnara“ wiederholen unisono 4 Münder- „Mir Hotale“ erneut auf das große Portal deutend der Taxifahrer- „Gulnara-Gulnara -Chorsu Bazaar!!!“ mit Nachdruck wir. Der Preisunterschied der beiden Hotels dürfte weit im 3stelligen Bereich liegen- nur so ganz nebenbei bemerkt. Als ihm langsam dämmerte, er hätte nicht einfach „Gulnar-good- i know“ sagen sollen in der Annahme, daß alle europäischen Touristen ausschließlich im 5 Sterne Hotel wohnen, hat sich das Grinsen ein wenig verflüchtigt. 45 min später wurden wir nach endlosen Schleifen durch Tashkents Innenstadt mitten auf der Hauptstraße „gebeten“ auszusteigen - er hätte jetzt keine Zeit mehr das Hotel zu suchen und er wolle auch kein Geld von uns!
Uzbekistan- eine Überraschung an sich. Nicht ganz, wie wir es uns vorgestellt haben, aber wunderschöne Begegnungen, von Herzen liebenswerte Menschen, unendliche Hilfsbereitschaft und vor allem die wunderschönen Medressen und blauen Kuppeln der Seidenstraße haben die letzten 3 Wochen zunächst einmal unvergessen gemacht.
Der Anfang hat gestimmt, die Anzahl der Touristen nicht!
Aber mal wieder der Reihe nach: Im Moment sitzen wir in Tashkent in unserem kleinen, gemütlichen Hotel die 5 Tage ab, die die chinesische Botschaft braucht, um unser China Visum zu erstellen. Fast alle anderen hier warten ebenfalls: China, Kirgistan und Tadjikistan sind heiß begehrt. Themen wie „Welche Nation muß welche Vorgaben der verschiedenen Embassies erfüllen, ist es eventuell einfacher, das Visum in Dushanbe oder Bishkek zu beantragen, sind die durch die Unruhen gesperrten Landgrenzen von Tadjikistan nach Kirgistan wieder offen, sind die Straßen vom Pamir Highway in Tadjikistan nach den Überflutungen der letzten Woche wieder passierbar, welche Möglichkeiten gibt es zur Zeit nach Tibet einzureisen und vor allem, wo in Tashkent gerade ein Visacard akzeptierender ATM ( EC Automat) funktioniert der dann auch noch tatsächlicher Dollar ausspuckt ?“ werden hier heiß diskutiert. Letzteres kann einem wahre Kopfschmerzen bereiten: Der Wechselkurs des Euros war in Uzbekistan bereits vor der Eurokrise deutlich schlechter als der Dollar. Als nächstes gibt es einen Schwarzmarkt, der einem den Kurs erheblich verbessert (statt offizieller 1500Som für 1 $ - 2200 Som auf dem Schwarzmarkt, somit ist Bargeld unerläßlich. ATM's gibt es nicht und cashed man mittels Visacard /Mastercard/ Traveller-Scheck in einer Bank oder Hotel darf man entsprechend 4% Komission zahlen, die in der Summe natürlich gewaltig ist.
Folglich ist jeder, sowohl Tourist als auch Einheimischer, darauf aus,in Tashkent, als einzige Stadt Uzbekistans mit Visa ATM diese seltenen Teile zu plündern, um seine Dollar Cash Reserven für den Schwarzmarkt aufzustocken - mit der Konsequenz, wenn gerade mal wieder einer gefunden ist, verbreitet sich die Info wie ein Lauffeuer und der Automat ist innerhalb kürzester Zeit wieder leer!
Den gestrigen Morgen verbrachten wir ab 7.30h in einer Schlange stehend vor der chinesischen Botschaft, die nur Mo-Mi-Fr von 9.00-12.00h geöffnet ist und letzte Woche geschlossen hatte. Gott sei Dank waren wir von einem belgischen Pärchen vorab per Mail darüber informiert worden, so daß wir bereits früh dort sein konnten. Steht man um 12.00h noch immer in der Schlange hat man Pech gehabt. Das Tor geht zu und man darf am übernächsten Tag wieder anstehen.
Insgesamt muß man sagen, hatten wir jedoch ausgesprochenes Glück anbetracht der vielen kleinen und größeren Visa- Horrorgeschichten: Wir brauchten keinen Letter of Invitation und wir konnten sogar das Double Entry Visum für 2x60 Tage beantragen – das dann - „Inshallah“ - am Freitag in unseren Pässen kleben wird. Ob wir tatsächlich ein Double Entry Visum für China brauchen werden, wissen wir noch nicht. Aber zur Zeit liebäugeln wir ein bissl mit Korea und Japan – aber das hat ja noch ein wenig Zeit!! Erstmal geht es Anfang nächster Woche nach Tadjikistan mit dem Pamir Highway und dann hoffentlich Kirgistan in Abhängigkeit der Aufstände und der Grenzsituation.
Die letzten 3 Wochen hatten einige „Überraschungen“ geboten. Angefangen in Nukus, wo wir für 3 Tage zu Sabine und Thomas, die wir ja schon aus dem Iran kannten, in den Truck zugestiegen sind. Somit durften wir die wahren Pflichten, Sorgen und Nöte der sog. Overlander, wie man die Selbstfahrer aus Europa nennt, erleben.
Die Strecke nach Moynaq war trocken und flach, die Dörfer arm und der Anblick des nicht mehr vorhandenen Aralsees mit seinen gestrandeten, verrosteten Schiffen deprimierend. Diese sowjet-hausgemachte Ökokatastrophe zählt zu den Weltgrößten der Geschichte.
Dank Sabine und Thomas konnten wir die Anzahl unserer „Wüstenübernachtungen samt Abenteuer“ noch einmal steigern.;-)
Die Rückfahrt sollte per GPS über eine etwas abseits gelegene Route verlaufen. Leider wurde die Überfahrt über einen breiten Fluß durch die nicht mehr vorhandene Brücke vereitelt, so daß die ganze bereits gefahren Strecke bei sengender Hitze wieder zurückgefahren werden musste. Einige Tage später haben wir per Internet noch einmal die Google Maps angeschaut - Die Straße ist in der Tat gut zu erkennen - zoomt man jedoch auf den Fluß, sieht man nur noch die Brückenreste!
Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch immer der Meinung fast alleine in Uzbekistan unterwegs zu sein. Selbst in Khiva war die Anzahl der Rucksackreisenden und Studiosusgruppen überschaubar, so daß man nach 3 Tagen fast jeden kannte. Am Wochenende fand ein riesiges traditionelles Musik- und Kulturfest unter Schirmherrschaft der Präsidententochter statt. Wrestling, Hahnen- und Widder-Kämpfe gab es zu bestaunen, sowie unzählige Tanz und Musikgruppen die ihr Talent zum Besten gaben. Anschließend gabs 2 Tage „Urlaub“ im Sinne von „Nichtstun“ wie Reiseberichte schreiben, Bilder nachzubearbeiten, Wäsche waschen und lesenderweise Route planen. Für jeden zu Hause mag das ja wie der pure Hohn klingen. Aber bis zur Einreise nach Turkmenistan waren wir ja fast alle 2 Tage irgendwo anders, sprich: Rucksack aus - und einpacken, neu orientieren, Hotelsuche, Sightsseing Tour, am Abend wieder Route oder falls schon geschehen , Weitertransport für die nächste Etappe planen und organisieren. Das ist auf Dauer richtig anstrengend. Um so schöner sind dann die wenigen Tage „Urlaub vom Urlaub“ - grotesk -gell???
Danach ging es weiter nach Bukhara: Nirgendwo auf der Welt- selbst in Paris oder sonstigen Metropolen-haben wir je so viele Tourbusse gesehen!!!! Jeder 2. Bus gehörte einer deutschen Reisegruppe. Gefolgt von Franzosen und Italienern. Jede Medressa und jede Moschee war in einen Souvenirladen verwandelt, so daß man zum Teil vor lauter Teppichen und Tüchern an den Wänden kaum noch die Mosaike aus der Nähe betrachten konnte. Die Preise waren dem kauflustigen und vor allem kaufkräftigen europäischem Puplikum angepasst. Eines Mittags saßen wir kaffetrinkenderweise in einem kleinen Lokal. An der Wand hing ein in der Tat wunderschönes 2x2m großes Tuch. Ein älteres Ehepaar zeigte sich interessiert und fragte nach dem Preis. Leider verstanden wir nur 5000.. und dachten, das ist aber günstig! 5000 Som(2,27$)-hhmm - das kann aber eigentlich auch nicht sein - aber 5000 $!!!!!??????? Auf Nachfrage bestätigte man lächelnd die 5000 $- aber man könne uns gerne noch einen kleinen Discount geben. Wir lehnten lachend dankend ab und waren froh, daß unser Kaffee nur 50 Cent gekostet hatte.
Somit war Uzbekistan irgendwie gar nicht mehr so „exotisch“ wie wir gedacht haben. Und wer also je einen Teil der Seidenstraße bereisen möchte, in Uzbekistan ist das mehr als einfach und ungefährlich - auch ohne organisierte Tourgruppe - möglich. Per Zug ging es dann 3 Stunden weiter nach Samarkand - der Stadt des Registans mit seinen blauen Kuppeln, Medressen und Mosaiken die wohl fast jeder mit der Seidenstraße in Verbindung bringt.
Und nachdem wir dort die Nachricht aus Tashkent erhielten, daß die chinesische Botschaft bis Montag geschlossen sei, haben wir es dort in unserem Hotel mit unzähligen Tassen Tee und Kaffee und stundenlangen Gesprächen mit Reisender aller Art gut ausgehalten. An dieser Stelle muß unbedingt eine weitere Überraschung erwähnt werden. Der gemeine Rucksacktourist in Zentralasien gehört in der Tat einer aussterbenden Art an: Mehr als 2/3 aller Reisenden hier sind mit dem Fahrrad von Europa hergefahren! In unserem Hotel standen an einem Morgen 11 Fahrräder: 2 Engländer (beide über 50 Jahre alt), 2 Italiener, 2 Schweizer, 2 Belgier, 2 Franzosen und 1 Deutscher.
An dieser Stelle übrigens ganz liebe Grüße an Adi und Luise aus München, die den heißdiskutierten Karakorum Highway nach Pakistan schon vor über 20 Jahren bereist haben! ;-))
Die Tage vergingen schnell und schon saßen wir am Sonntag Mittag wieder im Zug mit Ziel Tashkent. Die Taxifahrt zu unserem Hotel war noch einmal „abenteuerlich“. Zu viert steuerten wir auf die Taximafia zu. „ Gulnara Hotel-Chorsu Bazaar- Skol'ka stoid?“ „Gulnara Hotale Chorsu Bazaar-good-good-i know!“ war die Antwort, der Preis erstaunlich schnell ausgehandelt und die Rucksäcke verpackt. 3 Minuten Fahrtzeit später hält das Taxi vor dem besten 5 Sterne Hotel der Stadt. „ Mir Hotale! „ grinst uns der Taxifahrer an - „Gulnara-Gulnara“ wiederholen unisono 4 Münder- „Mir Hotale“ erneut auf das große Portal deutend der Taxifahrer- „Gulnara-Gulnara -Chorsu Bazaar!!!“ mit Nachdruck wir. Der Preisunterschied der beiden Hotels dürfte weit im 3stelligen Bereich liegen- nur so ganz nebenbei bemerkt. Als ihm langsam dämmerte, er hätte nicht einfach „Gulnar-good- i know“ sagen sollen in der Annahme, daß alle europäischen Touristen ausschließlich im 5 Sterne Hotel wohnen, hat sich das Grinsen ein wenig verflüchtigt. 45 min später wurden wir nach endlosen Schleifen durch Tashkents Innenstadt mitten auf der Hauptstraße „gebeten“ auszusteigen - er hätte jetzt keine Zeit mehr das Hotel zu suchen und er wolle auch kein Geld von uns!
Uzbekistan- eine Überraschung an sich. Nicht ganz, wie wir es uns vorgestellt haben, aber wunderschöne Begegnungen, von Herzen liebenswerte Menschen, unendliche Hilfsbereitschaft und vor allem die wunderschönen Medressen und blauen Kuppeln der Seidenstraße haben die letzten 3 Wochen zunächst einmal unvergessen gemacht.
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